Der Tag ist lang. Die Schreibtischlampe brennt bis Mitternacht. Dann heulen die Sirenen, und ich gehe zum Bunker. Oft bin’ich müde. Auf der Holzbank neben mir sitzt die junge Frau und hält ihre beiden Jungen im Arm. Mit dem Fuß stößt sie den Kinderwagen, in dem das Jüngste liegt. Aber schon nach wenigen Minuten kommt der Kinderwagen zum Stehen. Die junge Frau ist eingeschlafen.
Ich kann nicht schlafen. Ich starre auf die weißgekalkte le an mit den breiten Leuchtstreifen über den Lampen.;
In der Stille‘ der nächtlichen Alarme kommen und gehen die Gedanken. Ich,finde mich nicht mehr zurecht in diesem Zeitalter der Bunker, in dem sichtbare und unsichtbare Mauern errichtet werden.
Oline fragte:„Hat das Meer Grenzen?” Und man antwortete ihr:„Es
‚ist Krieg.”
Der Professor hat in seiner histologischen Vorlesung den‘.Bau des Knochengewebes zu Ende gebracht.
„Heute, meine Damen und Herren”, beginnt er,„komme ich zum Fett- gewebe." 3
Uber vierhundert Studenten sitzen zusammengepfercht in der Anatomie- baracke. Feldgraue Uniformen, Achselstücke und Sterne, Soldaten und Kriegsversehrte, Kriegerwitwen und Studentinnen mit vor Eifer hektisch geröteten Wangen. Sie zücken den Bleistift und schlagen das Heft auf. Eine neue weiße Seite, ein neues Kapitel. Mehr als vierhundeıt Bleistifte kritzeln:„Fett“. Dann richten sich die Augen erwartungsvoll. auf den Professor. ö
„Sie haben im letzten Winter im Präpariersaal an Leichen gearbeitet”, hebt er einleitend an.„Sie haben die Haut präpariert, die Muskeln, die Nerven und die Organe. Doch eins haben Sie vermißt, und ich möchte mich deshalb bei Ihnen post’festum entschuldigen—“
Über die Gesichter von vierhundert Studenten geht ein erwartungs- volles Schmunzeln.\
„Eins haben Sie, wie gesagt, bei der Leiche nicht gefunden” ‚ fährt der Brafessor fort.„Es war das Fett! Leider konnte ich es Ihnen nicht bieten, ‚da es sich bei den Leichen um hingerichtete oder verstorbene Gefangene handelte." 2
Noch ruhen die Bleistifte. Nichts Ma wurde bis jetzt gesagt.
„Machen wir uns einmal an Hand einer Zeichnung klar, wie eine Fett- zelle aussieht!‘ Der Professor nimmt die Kreide und tritt an die Tafel.
Da spannen sich die eben noch gleichgültigen, halb verschlafenen Ge- sichter. Vierhundert Bleistifte kommen in Bewegung.
Eifrig beugen sich die Köpfe über die Hefte. Ich sehe mich um in den Reihen. Habt ihr nicht gehört, was der Professor sagte?
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