Die Toten werden in ihren Gräbern geweckt! Gespenstisch ist es, als weit unten am Ende des Feldes eine Gestalt aus dem Graben auftaucht, wie fragend stehen bleibt und sich dann langsam in Bewegung setzt.
Der Ruf hat den Rhythmus des Torfes unterbrochen. Alle Arbeit ruht. Das fühle ich mehr, als daß es das Auge bei der Weite des Moores erkennt. In den Gräben sinken die Arme nieder. Sind es die sich zusammenballenden Wolken am Himmel? Die Luft scheint stillzustehen, spannungsgeladen ist sie. Sekunden der Hoffnung für jeden Gefangenen! Werde auch ich aufgerufen?
SO
Hunderte von Augen sind auf uns gerichtet. Ach, nur einen Augenblick lang sprechen mit Menschen, die nicht in Uniform sind! Wochen, Monate, Jahre stehen sie schon im Graben.
Noch zwei Namen schallen über das Moor. Die Toten lauschen in ihren Gräbern. Jedesmal löst sich eine Gestalt.
Dann dreht sich der Wachtmeister um, rückt das über die Schulter aufgepflanzte Seitengewehr zurecht, klopft die Zigarette gegen den Handrücken und zündet sie an.
Stumpfe Hoffnungslosigkeit legt sich über die Gräben. Die Oberkörper verschwinden. Dunkle Klumpen fliegen über die Lehmwand und fallen auf den Torfwall vorm Graben.
Die drei kommen uns entgegen. ,, Marsch zurück mit euch!" fährt sie der Wachtmeister an. ,, Holt eure Jacken!" Wieder geht es zum Graben. Der Grüne führt uns zu einem verfallenen Holzschuppen. Es ist dunkel drinnen. Nur durch die geöffnete Tür aus Latten dringt trübes Licht. An der Wand stehen einige grob zusammengeschlagene Holzbänke. Auf dem Lehmboden liegen zerbrochene Bretter. ,, Hier halten die Gefangenen Mittag", sagt der Wachtmeister.
,, Wir wollen draußen sitzen." Zwei Holzbänke werden herausgetragen. Neben mir sitzt Holger. Sein Gesicht erinnert mich an das von Viggo. Dieselben scharfgeschnittenen Züge, nur die Augen liegen tiefer, grüblerischer. Uns gegenüber sitzen Baard und Ole. In der Mitte der Pfarrer. Baard greift in die Tasche der ausgefransten Jacke und holt etwas Blitzendes, Goldenes hervor. Es ist der Trauring." Wir haben Besuch", sagt er langsam, als falle ihm das Sprechen schwer. Er versucht, den Ring über den kleinen Finger zu streifen. Doch vergeblich. Er blickt auf unsere Hände und sieht die eigenen an. Sie sind wie Klumpen, aufgerissen und zerbeult.
Die Gesichter sind verschorft und verbrannt von zuviel unerbittlich sengender Sonne. Ole sieht uns stumm mit großen, fragenden Augen an. Es ist der Blick eines Kindes. Er kann noch nicht einmal so alt sein wie Björn.
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