Sie schleppen ihn mit sich. Die Kalfaktoren und der Weachtmeister kümmern sich nicht darum. Die Arbeit ist getan. Mag er bis morgen früh krank sein. Erst in zwölf Stunden beginnt von neuem der Kampf.,
Die Holzpantinen stapfen über den morastigen Grund. Noch immer ist das Gewitter nicht losgebrochen. Seit Tagen hat es nicht mehr geregnet. Aber das Moor ist durchtränkt von einer zähen Da Der Lehm bedeckt die Holzpantinen mit einer dicken Krüste.
Endlich ist die Wegbiegung erreicht. Nun geht es noch den langen Weg hinunter— da ist die Baracke. Da sind Wasser. und Brot. Da sind die Pritsche, die Dunkelheit der Nacht und ein kurzes Vergessen im Schlaf. Holger bückt sich. In der tief Ban Son des Weges liegt eine Steckrübe.———
Wie entseelt liegt die Baracke da. Nur in der Schreibstube ist noch Licht. Durch einen Spalt der Klappe dringt ein Lichtritz in den dahinter- liegenden Raum. Dort liegen hundert Gefangene wie leblos auf den Prit- schen. Die Pritschen stehen zu dreien übereinander.
Nacht senkt sich über die braune Erde. Auf die ersten Augenblicke stumpfer Erschöpfung folgt qualvolle Unruhe.
Holger starrt ins Leere. Dann schließt er die Augen. Aber er schläft: nicht. Er betet:„Gib mir Kraft für morgen. Die Kameraden brauchen mich. Sie sind krank. Es kann nicht Dein Wille sein, daß sie sterben.”
Und Holger fängt an, mit Gott zu rechten:„Hast Du uns N Wir warten und-hoffen. Aber wo bist Du— Gott?“-
Die Fliegen summen, bohrend unerbittlich. Die Tür ist verriegelt; die Fenster sind geschlossen. Der Raum ist von Gestank verpestet.- Immer wieder springen sie aus den Pritschen heraus und laufen an das Ende des Raumes, wo die Kübel stehen. Sie klettern hinunter. in die schwarze Finsternis; sie tappen sich durch den schmalen Gang. Sie stoßen gegen die Pfosten der Pritschen— ein halbunterdrückter Schrei oder ein: wilder Fluch.
Über Holger stöhnt es. Es ist Reidar. Er phantasiert:„Wir sind ver- gessen——— wir sind allein——"
Es knackt, als ob etwas auseinandergebrochen wird. Eine Steckrübe wird geteilt.. Holgers Arm schiebt sich durch das Dunkel über die Kante.
von Reidars Pritsche.
„Nimm!- Ä
Aber Reidar ist verloren in Phantasien.„Pelle, Pelle! ruft er.„Wir sind vergessen. Sie werden mich in brauner Erde begraben!"
Pelles Antwort geht unter in Flüchen, die Reidars Pritsche umprasseln: „Halt's Maul! Gib Ruhe!”
Der Tag ist lang gewesen. Der Rücken schmerzt; die Füße sind wie leblose Klumpen. Die Männer fallen in dumpfen Schlaf. Quälende Träume umkreisen die Pritsche. Sie schreien, auf:„Hilfe, Hilfe!‘ Wer verfolgt sie
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