XX
VERRÄTER ERFINDEN VERSCHWÖRUNGEN
Wenige Wochen vor dem Beginn des totalen Arbeitseinsatzes waren die Vorstände der Schreibstube des Lagers aus ihren Ämtern entfernt worden. Eine Anzahl von Häftlingen, darunter Naukus, Buchmann und Großer, die sich um das Lager zu unseren Gunsten verdient gemacht hatten, wurden eines Tages ,, verhaftet", in den Zellenbau gesperrt und nach einer Woche in das berüchtigte Steinbruchlager Flossenbürg strafversetzt. Es wurde ihnen eine kommunistische Verschwörung und die Einrichtung einer Häftlingsfürsorge im Sinne der„ Roten Hilfe" vorgeworfen. Auf jeden Fall wollte man diese Häftlinge entfernen, da keiner von ihnen bereit war, sich für die Interessen der SS, also gegen ihre Mithäftlinge mißbrauchen zu lassen. Das Ansinnen, als verlängerter Arm der SS, Verrat an den Kameraden zu üben, hatte sich bei diesen Männern fruchtlos erwiesen. Man brauchte Kreaturen, die bereit waren, die Lagerhäftlinge zu bespitzeln und Widerstand zu melden. Die Furcht der SS vor dem Auftreten einer gewissen Resistenz war nicht unbegründet. Der Glaube an einen deutschen Sieg war im Lager nie stark, durch die Ereignisse in Rußland zweifelte aber kein Häftling an der Niederlage. Da nun gerade in jener Zeit, als das schleichende Gift des Zweifels auch in den Herzen vieler SS- Angehöriger seine Wirkung ausübte, eine durchgreifende Änderung in der Häftlingsbehandlung zu erwarten war, da ferner zahlreiche SS- Dienstgrade, die durch ihr rücksichtsloses Verhalten noch gewisse Garantien für die Unterdrückung irgendwelcher Gegenbewegungen boten, entfernt und durch weniger skrupellose Reservisten ersetzt werden sollten, glaubte die Lagerführung auf die Einschaltung neuer und anderer Sicherheitsmaßnahmen nicht verzichten zu können. Durch die Vergrößerung der Betriebe, die eine neue
130


