Druckschrift 
Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
  

;

t

f

S

n

r

für das Lager Sachsenhausen war eine gigantische Erweite­rung geplant, und man kann sich ungefähr einen Begriff davon machen, was der Nationalsozialismus noch alles vorhatte, um das deutsche Volk an den Segnungen eines gewonnenen Krie­ges teilhaben zu lassen. Dieser Generallinienplan war nicht etwa in spielerischer Laune ersonnen, sondern war die vor­sorgliche Dokumentierung der sehr realen Ostraumpläne Hit­ lers , die völlige Unterwerfung des Slawentums zugunsten des germanischen Wehrbauern. Zur Verwirklichung dieser mon­strösen Idee sollten die allerorts geschaffenen Konzentrations­lager das ihrige beitragen, teils als Vernichtungslager zur so­fortigen Beseitigung aller Kranken und Arbeitsunfähigen, teils als Arbeitslager zur Aufnahme und Unterbringung der für den raschesten Wiederaufbau der deutschen Städte eingesetzten Ost­arbeiter. Keiner dieser Menschen hätte jemals seine Heimat wiedergesehen. Nach dem alten Demagogenprinzip, den zur Fron gepreßten Menschen für seine Arbeit nur so lange zu entlohnen und leben zu lassen, als die zu bewältigende Auf­gabe seiner Mitwirkung bedurfte, hätte Hitler nach einem ge­wonnenen Krieg seine Aufbaupläne mit seiner Entvölkerungs­technik erfolgreich gekoppelt und damit zweifellos die Be­wunderung seiner ihm blindlings ergebenen Anhänger gefun­den. Der Generallinienplan des Konzentrationslagers Sachsen­hausen zeigte, daß auf den Ausbau der Krematoriumsanlagen ganz besonderer Wert gelegt werden sollte und man kann sich vorstellen, in was für einem Verhältnis eine solche Bewunde­rung zu der sittlichen Idee jenes Vorhabens gestanden hätte. Ein nicht minder interessantes Bauvorhaben war das Sonder­lager II, als dessen Übergabetermin der 1. Juni 1944 angesetzt war. Dieses Sonderlager an der von Schmachtenhagen nach Sachsenhausen führenden Straße bestand aus einer Reihe von sehr sorgfältig ausgeführten Steinbaracken, Einzelunterkünften für je einen oder zwei Häftlinge mit Trennmauern. Jede Un­terkunft enthielt einen Wohn- und einen Schlafraum, ein eigenes Bad, Zentralheizung und einen kleinen Beobachtungs­raum für einen Bewachungsposten. Ein Lazarettbau mit

127