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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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Edgar Bennerts, dem ehemaligen Mitglied des Düsseldorfer Schauspielhauses, aufgeführt. Gerhart Hauptmanns Biber­ pelz " gelangte zu einer eigenartigen, trefflichen Darstellung. Eine von jungen talentvollen Norwegern gebildete Schau­spielergruppe spielte Szenen aus ,, Peer Gynt" und die Fran­zosen lieferten eine temperamentvolle Aufführung der Sonett­szene aus ,, Le Misanthrope " von Molière .

Sollten wir vergessen, was man uns vorher angetan hatte, war plötzlich der Geist der Besinnung über unsere Quälgeister ge­kommen? Benötigte man jetzt vielleicht auf einmal dem hell­hörigen und alleswissenden Ausland gegenüber eine Art Führungsattest, durch das man der empörten Menschheit glaubhaft zu machen versuchte, in den deutschen Konzen­trationslagern herrschte eitel Freude und Sonnenschein? Ich glaube, daß weder der eine, noch der andere Grund für die unverkennbare Besserung unserer Lage maßgebend war. Denn wärend wir im KZ Sachsenhausen in den Genuß dieser Vor­teile kamen, lief die Vernichtungsmaschinerie in den Lagern Auschwitz , Maidanek und Bergen- Belsen weiter. Während wir durch Zugeständnisse aller Art unsere Arbeitsleistungen stei­gerten, wurden dort Millionen von Menschen in die Gas­kammern geschickt. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum ge­wesen, hätten wir in der zeitweiligen Besserung unseres Loses eine aus ethischen Erkenntnissen stammende Folgerung ge­sehen. Keine der uns zuteil gewordenen Neuerungen ließ uns auch nur einen Augenblick daran zweifeln, daß dieses Entgegen­kommen nicht von langer Dauer sein konnte. Gewiß, wir wurden nicht mehr gequält, weil man unsere Arbeitskraft brauchte, aber wir waren uns auch im klaren darüber, daß wir in dem Augen­blick, da sich alle diese Anstrengungen als nutzlos erweisen würden, auf Gnade von seiten der SS nicht rechnen konnten. Der alte Scharführerspruch: ,, Für jeden von euch ist eine Kugel gegossen!" hatte nichts von seiner Bedeutung verloren. Wir waren nach wie vor Tote auf Urlaub; nur mit dem Unter­schied, daß man den Toten jetzt gestattete in ihrer Urlaubs­zeit Fußball zu spielen.

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