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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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XV

DIE TECHNIK DER ENTVÖLKERUNG

Im Hochsommer des Jahres 1941 kamen russische Kriegs­gefangene ins Lager. Sie waren der Waffen- SS in die Hände gefallen. Sie brachten viele Tote mit, Kameraden, die auf dem Transport gestorben waren. Die Lebenden befanden sich in einem trostlosen Zustand, sie hatten gehungert und alle Ent­behrungen durchlitten. Es waren 2000 Männer, die in zwei leeren Baracken in einem besonderen Teil der Strafkompanie untergebracht wurden.

Kurz vorher hatte die Bauleitung der Waffen- SS den Auftrag erhalten, auf dem Industriehof des Lagers ein Gebäude zu errichten, dessen Raumaufteilung und Inneneinrichtung unsere im Baubüro tätigen Häftlings- Architekten verwunderte. Durch die Zimmerleute, die an der Aufstellung des Gebäudes betei­ligt waren, erfuhren wir bald Genaueres über seine Beschaffen­heit. Eine Grundrißzeichnung, die einer der Handwerker an­fertigte, ließ uns über den Zweck dieses Bauwerks nicht im Unklaren.

Zu derselben Zeit, da wir uns in der Verborgenheit eines Werkstattwinkels mit dem Studium dieser Planskizze beschäf­tigten, rollten vier Lastwagen in den Industriehof, deren jeder eine merkwürdige Maschine anlieferte, vier mächtige heizkesselähnliche Apparate aus grauem Metall mit Feuerungs­türen, großen backofenartigen Verschlußklappen, Ventilen und Druckmeßgeräten; auch über den Zweck dieser Maschinen konnte kein Zweifel bestehen.

Die Fertigstellung des Gebäudes erfolgte sehr rasch. Es han­delte sich dabei um einen etwa 30 Meter langen, 18 Meter breiten Holzschuppen, der in seinem Inneren mehrere eigen­artige Räume enthielt. Der Eingang lag nach einem von einem hohen Bretterzaun eingeschlossenen Hof zu. Verfolgte man

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