man todmüde von der Arbeit kam und von folgendem Anblick betroffen wurde: sämtliche Einrichtungsgegenstände des Tagesraumes waren auf die Erde geworfen, die Spinde waren geleert und gestürzt, die Beine der Tische und Stühle ragten in die Luft, Brot, Suppe, das Stückchen Wurst oder was es sonst gerade gab, bildeten einen einzigen Haufen Unrat, in den Ritzen der Diele versickerte eine schmutzige Brühe, Bücher und Bilder, Kohlenstücke und Holz, Wasserkannen, Schöpfkellen und Mülleimer, alles, was die Baracke enthielt, war dem Zerstörungswahn eines Blockführers, des ,, Eisernen " oder des Rapportführers zum Opfer gefallen. Der Blockälteste erklärte uns dann den Grund dieser Maßnahme, Unordnung und Unreinlichkeit im Block.
An solchen Schreckenstagen blieben wir ohne Mittagessen oder Abendkost. Aber auch auf nächtliche, überfallartige Besuche mußte man sich gefaßt machen, denn um die gleiche Stunde, da wir uns zur Ruhe begeben mußten, gingen die SS - Angehörigen in ihre Kasinos und Kantinen, um sich hier durch Alkohol in die Stimmung zu versetzen, die ihnen zur Durchführung nächtlicher Lager- Expeditionen und Block- Inspektionen erforderlich erschien. Wenn dieser Augenblick eingetreten war, meistens nachts gegen ein oder zwei Uhr, zogen sie gröhlend und wetternd in das Lager, gingen in die nächstbeste Baracke und veranstalteten nun hier einen Tumult und ein Durcheinander, daß man meinte, von Räubern oder Teufeln heimgesucht zu werden. Oft eröffnete ein in den Schlafsaal gezielter Pistolenschuß diese ,, Remidemmi", wie der amtliche Lagerausdruck dafür lautete. Aus schwerem bleiernen Schlaf gerissen, taumelten wir in die Höhe, da schlug uns auch schon das wüste Gezeter der im Dunkel mit ihren Prügeln oder Peitschen wild um sich hauenden SS - Leute in die Ohren. Wer die nötige Geistesgegenwart besaß, verkroch sich unter das unterste Bett, noch flinkere sprangen einfach aus dem Fenster. Irgendeinen Sinn hatten Orgien dieser Art nicht, sie galten als Belustigung und hörten auf zu der Zeit, da sich ein anderer nächtlicher Besucher, ein furchtbarer Besucher, mit
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