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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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ten, wollte ich auf die Schilderung zweier Häftlinge verzich­ten, die einen vollen Anspruch darauf haben, hier genannt und gewürdigt zu werden. Die beiden Häftlinge waren Böhm und Perrunje.

Böhm war ein kleiner und schmächtiger Mensch, etwas schief gewachsen mit einem leicht gekrümmten Rücken, so daß sein Kopf etwas nach vorne hing und sein Gesicht etwas Lauerndes, Forschendes hatte. Wie von einem Holzbeil in der Hand eines nicht gerade sehr formsicheren Schnitzers zurechtgehauen war dieses Gesicht; es hatte zwei böse und unsichere Augen, die mit ihren huschenden Blicken alles berührten, was ihnen in den Weg kam und dennoch nie lange auf einem Gegenstand verweilen konnten; die Nase war breit und gebogen, das Kinn nahezu viereckig.

Ich weiß, es ist das übliche Schurkengesicht, das ich hier schildere. Aber es bot leider keinen anderen Reiz, und Dickens und Balzac, Hoffmann und Dostojewski hatten ihre guten Gründe, wenn sie gewissen Gesichtern, ganz unabhängig von­einander, die gleichen Formen und Züge verliehen. Böhm war eine durchaus exemplarische Figur. Er hatte zwei affenartige lange Arme, an deren Enden die beiden Hände baumelten wie zwei Werkzeuge im Rohguẞ, zu grausigen Taten bereit. Aber ich schäme mich zu gestehen, daß dieser Böhm ein Politischer war, was ja wohl zu der Annahme berechtigt, daß er irgend­wann einmal für ein Menschheitsideal gekämpft hatte, daß er irgendwann einmal den Versuch gemacht hatte, in die Sonne zu schauen und an irgend etwas zu glauben, was unberührt von menschlicher Tücke im Lichtstrahl einer traumhaften Zukunft stand.

Böhm war der Chef des Krematoriums. Er hatte in der Person von Perrunje einen Verbündeten, der ihm in nichts nachstand, und, wenn es darauf ankam, sogar noch übertraf. Perrunje war Oberschlesier ; sein wirklicher Name ist mir nicht bekannt, ich wußte ihn einmal, aber ich habe ihn vergessen, denn Perrunje war eben Perrunje und wurde nie anders ge­nannt, als nach diesem polnischen Fluch, den er ständig im

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