Flucht auch nur ein Stück Brot gestohlen hatte, auf Anordnung des Reichsführers der SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler , sofort aufgehängt. Die Exekution fand auf dem Appellplatz vor dem versammelten Lager statt. Der Galgen stand an der Stelle, an der in den Adventstagen eines jeden Jahres der Weihnachtsbaum stand.
Die Absicht der Lagerführung, ihren zynischen Protest gegen christliche Sitten zu bekunden, kam auch im Jahre 1942 bei der Hinrichtung dreier Häftlinge in den Morgenstunden des Ostersonntages zum Ausdruck. Einmal riẞ bei einer solchen Hinrichtung der Strick und der Delinquent fiel zu Boden. Im Mittelalter hätte man dies als einen Einspruch des Himmels angesehen und den Verurteilten begnadigt. Lagerführer Kolb sah darin die Gelegenheit, sich als guter Pistolenschütze zu erweisen und jagte dem noch lebenden Opfer eine Kugel in den Kopf.
In den ersten Jahren meines Lageraufenthaltes waren Fluchtversuche meistens der Hinrichtungsgrund, während in der Zeit des totalen Arbeitseinsatzes ,, Sabotageakte" den Anlaẞ gaben die Todesstrafe zu vollziehen. Wegen eines solchen Vergehens wurde im Sommer 44 ein junger, intelligenter Holländer aufgehängt. Sein Verschulden bestand darin, daß ihm, bei seiner Arbeit an der Stanzmaschine, eine Metallmatrize unter den Stanzkolben rutschte, wodurch der Kolben beschädigt und durch dessen Auswechslung eine Arbeitsunterbrechung von einer halben Stunde notwendig wurde.
Was in jedem Betrieb und jedem an einer solchen Maschine tätigen Arbeiter ohne die mindeste Absicht einer Sabotage passieren konnte, wurde einem völlig schuldlosen Menschen zum Verhängnis. Er wurde im Auftrag des Reichsführers der SS als Saboteur gehängt und erfuhr den Grund zu dieser Maẞnahme erst, als er unter dem Galgen stand.
Ein anderer Häftling, der sich aus irgendeinem Stück Leder ein Paar Schuhsohlen geschnitten hatte, mußte nach vorherigem Empfang von 50 Stockhieben, das gleiche Schicksal erleiden.
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