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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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vu ICH HÖRE AUF EIN MENSCH ZU SEIN

In der Nacht vom 18. auf 19. April 1940, also in der ersten Nacht meines Lageraufenthalts, hatte sich ein Häftling, wohl in geistiger Umnachtung, aus seinem Block entfernt und in irgendeinem Winkel der Effektenkammer versteckt, Sein Feh- len wurde beim morgendlichen Zählappell festgestellt und die gesamte im Lager diensttuende SS machte sich auf den Weg, den Vermißten zu suchen. Es dauerte mehrere Stunden, ehe einige Scharführer sein Versteck entdeckten. Da der Mann offenbar mit dem Leben abgeschlossen hatte, sprang er mit einem Messer bewaffnet aus seinem Schlupfwinkel heraus, warf sich auf einen der SS -Männer und brachte ihm schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen bei. Zu weiteren Angriffen kam er nicht; er stürzte von Kugeln durchbohrt zu Boden und starb.

Ich erwähne diesen Vorfall, weil er die Stimmung des Tages angab, eine Stimmung, unter deren Einfluß sich die uns zu- gedachten Aufnahmezeremonien beträchtlich verschärften.

In den Vormittagsstunden dieses Tages kauerten wir Zugänge in Kniebeuge mit ausgestreckten Armen vor dem Häftlingsbad des Lagers, wo die Aufnahme und Einweisung stattfinden sollte. In die Kniebeuge waren wir gegangen auf Befehl des Hauptscharführers Bugtalla, eines der brutalsten und rück- sichtslosesten Gesellen, die jemals im Lager Dienst getan haben, Da wir in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen wurden, mußte ich, dessen Namen mit einem W anfängt, lange in die- ser qualvollen Stellung verharren. Inzwischen bereitete Bug- alla, zusammen mit seinem Kameraden Bayerle, den vor mir aufgerufenen Zugängen einen Empfang, an dem gemessen die Prügelszenen vom Tage vorher harmlos gewirkt hatten, Noch nie hatte ich einen Menschen mit soviel Lust, soviel Freude

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