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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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zerlegbarer Tafelbauweise mit doppelter Wandverschalung, auf einem System von Betonpfählen. Einige waren unter­kellert, in den Kellern befanden sich Vorratsräume. In jeder Baracke gab es zwei Flügel, A- und B- Flügel, deren jeder einen Schlaf- und einen Wohnraum, den Tagesraum, enthielt. Über einen, für beide Flügel gemeinsamen Flur, gelangte man in die Klosett- und Waschräume. Sie waren mit Fuß­waschbecken, einer Brause, zwei Geschirrwaschtrögen und zwei Bradley- Waschfontänen ausgestattet. Jeder der beiden Schlafräume enthielt bis zu 200 Betten, dreistöckig überein­andergestellte Eisenbetten, die später durch Holzgestelle er­setzt wurden. In den Tages- oder Wohnräumen befanden sich 60 schmale Spinde, sechs lange Tische mit Bänken und Hockern, ein großer Ofen, das Bett und der Tisch des Blockältesten, manchmal auch ein Bücherregal, ferner einfache elektrische Pendellampen mit von Häftlingen angefertigten und bemal­ten Schirmen. Um jeden Block lief ein schmaler Rasenstreifen, der später für den Anbau von Gemüse bestimmt wurde. Für die Sauberhaltung des Blocks und die Aufrechterhaltung der Ordnung war der Blockälteste verantwortlich. Er war ein langjähriger Lagerinsasse, ein Mann mit guter Führung", der eine Reihe von Sonderrechten hatte und zusammen mit dem Stubenältesten des B- Flügels seines nicht sehr dankbaren Am­tes waltete. Die Gerechtigkeit war meist nicht ihre Sache. Doch will ich hier ehrend den Metallarbeiter Paul Gmeiner aus Hannover erwähnen, der am 18. April 1944 einem Luft­angriff auf das Flugzeugwerk Heinkel in Oranienburg zum Opfer fiel. Er zeigte, daß es auch unter den Blockältesten Männer mit einem stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gab, die es fertigbrachten, uns durch ihre kluge und anständige Führung die Pein des Lagerlebens wenigstens auf Stunden vergessen zu lassen.

Es lag in der dem Lager eigenen Verwaltungsart, daß einzelne Häftlinge Machtbefugnisse erlangten, die ein sehr hohes Ver­antwortungsgefühl und aufrechte Gesinnung voraussetzten, sollten sie nicht der Anlaß zu Korruption werden. Rechnet

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