VI ZEHNTAUSENDHÄFTLINGE
Ehe ich über die Ereignisse des nächsten Tages, des Tages unserer Aufnahme in das Lager, berichte, will ich zum besse- ren Verständnis einiges. über die inneren Einrichtungen und Verhältnisse des Häftlingslagers ausführen.
Die Gesamtzahl der im April 1940 im KL Sachsenhausen In- haftierten belief sich auf rund 10000 Menschen. Außer den rein politischen Häftlingen— etwa 4000— gab es eine größere Anzahl von Berufsverbrechern; ferner Asoziale, kurz- weg Asos genannt, worunter Arbeitsscheue, Zuhälter, Spieler, Trunkenbolde und Zigeuner zu verstehen waren. Alle diese ' Häftlinge trugen auf der linken Brustseite ihres Gewandes eine Markierung in Gestalt einer Nummer und eines kleinen Sioffwinkels, der bei den Politischen rot, bei den Berufs- verbrechern oder Bevauern, wie man sie nannte, grün und bei den Asos braun oder schwarz war. Neben diesen drei Haupt- gruppen gab es noch Angehörige der„Vereinigung inter- nationaler Bibelforscher“ mit einem violetten, und Personen, die sich gegen den$ 175 vergangen hatten, mit einem rosa Winkel. Die Juden‘trugen den Davidstern, den sie im Staate Adolf Hitlers später auch in der Öffentlichkeit tragen mußten. Weitere Winkelkombinationen dienten zur Unterscheidung der ausländischen Häftlinge, deren Zahl zu Beginn und im weiteren Verlaufe des Krieges ständig im Wachsen war. Der rote Winkel unter der Nummer kennzeichnete den Polen ; die Nummer rechts, den Winkel links den Tschechen, ein U zeigte an, daß man es mit einem Ukrainer, ein N, daß man es mit einem Norweger zu tun hatte. Außerdem gab es Dänen, Balten, Jugoslaven, Rotspanier, Italiener, Russen, Franzosen, Belgier, Luxemburger , sogar Neger.
Eine weitere Kategorie waren die sogenannten Knochen- männer, ehemalige Angehörige der SS, die hier zu einer Art
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