versetzte einem neben mir stehenden jungen Tschechen eine Ohrfeige, ohne ihn erst lange nach irgend etwas zu fragen. Es war die Ohrfeige, die eigentlich ich hätte bekommen sollen und so leid es mir heute noch tut, daß ein anderer schuldloser Mensch sie bekam, so bestätigte der Vorfall doch die Richtigkeit meines Verhaltens.
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Dieses sich noch oftmals mit allen möglichen Variationen der Urteilsvollstreckung wiederholende Verhör dauerte etwa drei Stunden; in dieser Zeit wurde meine angespannte Aufmerksamkeit auch noch durch eine andere Szene in Anspruch genommen. Aus dem Barackenabschnitt des Lagers, für den die von Herrn Himmler formulierten Tugenden ,, Opfersinn und Liebe" zuständig waren später erfuhr ich, daß es sich um die SK- Isolierung, die Strafkompanie handelte bewegte sich ein langer Zug von in Zebra , blau- graugestreiften Drillichanzügen, gekleideten und körperlich auffallend heruntergekommenen Häftlingen, von denen je vier eine rohgezimmerte, längliche und schwarz angestrichene Kiste trugen. Es waren insgesamt 16 solcher Kisten. Der Kondukt ging in langsamen, müden Schritten über den Appellplatz auf das Tor zu und kam hart an uns vorbei. Über den Inhalt der Kisten konnte kein Zweifel bestehen, der Geruch, der ihnen entströmte, sagte alles; Kondukte dieser Art sahen wir damals im Lager täglich. Erst nach Fertigstellung des im Krankenbaubereich gelegenen groBen Leichenkellers, der Tausenden von Leichen Raum bot und nach Errichtung und Inbetriebnahme des ersten Krematoriums, spielten sich diese Bestattungszeremonien mehr im Verborgenen ab. Die Mortalität des Lagers belief sich zu jener Zeit auf etwa 30 Häftlinge im Tag. Der letzte der primitiven Katafalke hatte das Tor noch nicht ganz passiert, als zwei höhere SS - Offiziere erschienen, von denen man uns später sagte, daß es sich um den ersten Schutzhaftlagerführer SSObersturmführer Forster und um dessen Adjutanten, eine fragwürdige Person mit dem Spitznamen„ Onkel Otto" handelte.
Forster, ein hagerer knochiger Mensch mit trostlos leeren, aus
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