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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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III

IM ZELLENGEFÄNGNIS

DER GEHEIMEN STAATSPOLIZEI

Das Zellengefängnis der Geheimen Staatspolizei an der Brien­ ner - Türkenstraße war damals ein ziemlich neuer und ver­hältnismäßig sauberer Bau. Er war nicht sehr groß, bot wenig Bewegungsfreiheit und diente ausschließlich dem Durch­gangsverkehr in das Lager, die Strafanstalt, in den Tod oder in die Freiheit. Es gab große und kleine Zellen. In allen be­fanden sich die üblichen an der Wand hochklappbaren Metall­betten, ein Klapptisch, zwei Klappbänke, ein kleines Wand­regal und ein Wasserklosett. Die Zellen waren mit Zentral­heizung versehen, die Fenster lagen hoch. Längeres Verweilen am Fenster war verboten, was mich freilich nicht hinderte, oft stundenlang in die mir vertraute Türkenstraße hinüberzu­blicken.

Erfreulicherweise hatte man mir bei meiner Einlieferung so gut wie gar nichts abgenommen, so daß ich mir zur Be­ruhigung meiner Nerven wenigstens eine Zigarette anzünden konnte. Es ließ sich also zunächst alles viel besser an, als ich erwartet oder vielmehr befürchtet hatte. Ich durfte nicht nur meine mitgebrachten Zigaretten behalten, ich konnte sogar noch welche kaufen. Der Schließer brachte mir auch eine Speisekarte und teilte mir mit, daß ich mich selbst verköstigen könne; die Hauskost bekäme ich überdies. Ferner gab es Bröt­chen, Magermilch, Kunsthonig, Marmelade und Bier zu kaufen. Hier hätte der Einwand Berechtigung, daß in anderen Be­richten über die Verhältnisse in den Gefängnissen der Ge­ stapo wesentlich anderslautende Darstellungen gegeben wer­den; daß, beispielsweise, die Verhafteten bei Verhören blutig geschlagen oder allen möglichen Folterungen ausgesetzt wur­den. Ich habe keinen Grund, solche Vorkommnisse anzuzwei­

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