III
Das Zellengefängnis der Geheimen Staatspolizei an der Brien ner - Türkenstraße war damals ein ziemlich neuer und verhältnismäßig sauberer Bau. Er war nicht sehr groß, bot wenig Bewegungsfreiheit und diente ausschließlich dem Durchgangsverkehr in das Lager, die Strafanstalt, in den Tod oder in die Freiheit. Es gab große und kleine Zellen. In allen befanden sich die üblichen an der Wand hochklappbaren Metallbetten, ein Klapptisch, zwei Klappbänke, ein kleines Wandregal und ein Wasserklosett. Die Zellen waren mit Zentralheizung versehen, die Fenster lagen hoch. Längeres Verweilen am Fenster war verboten, was mich freilich nicht hinderte, oft stundenlang in die mir vertraute Türkenstraße hinüberzublicken.
Erfreulicherweise hatte man mir bei meiner Einlieferung so gut wie gar nichts abgenommen, so daß ich mir zur Beruhigung meiner Nerven wenigstens eine Zigarette anzünden konnte. Es ließ sich also zunächst alles viel besser an, als ich erwartet oder vielmehr befürchtet hatte. Ich durfte nicht nur meine mitgebrachten Zigaretten behalten, ich konnte sogar noch welche kaufen. Der Schließer brachte mir auch eine Speisekarte und teilte mir mit, daß ich mich selbst verköstigen könne; die Hauskost bekäme ich überdies. Ferner gab es Brötchen, Magermilch, Kunsthonig, Marmelade und Bier zu kaufen. Hier hätte der Einwand Berechtigung, daß in anderen Berichten über die Verhältnisse in den Gefängnissen der Ge stapo wesentlich anderslautende Darstellungen gegeben werden; daß, beispielsweise, die Verhafteten bei Verhören blutig geschlagen oder allen möglichen Folterungen ausgesetzt wurden. Ich habe keinen Grund, solche Vorkommnisse anzuzwei
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