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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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war unterbunden. Aber was geschehen hätte können: eine so­fortige Entfernung alles weiter belastenden Materials, meiner Tagebücher, die sich noch immer in meiner Sollner Wohnung befanden, und die einen nicht mehr zu widerlegenden Beweis für meine Gegnerschaft erbringen mußten. Diese Maßnahme unterblieb. Sie unterblieb, weil sich kleine, die Sorge um die Sicherheit zurückdrängende Begebenheiten ereigneten, die es mir im entscheidenden Augenblick unmöglich machten, das zu tun, was am notwendigsten gewesen wäre. Am Tag des Verhörs auf der Gestapo bot sich mir durch die Verwendung eines Bekannten die Gelegenheit, einen Schreiberposten im Verwaltungsausschuß der Münchener Universität zu bekom­men, eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen durfte, deren Vorbesprechungen aber ein mehrtägiges Ver­weilen in der Stadt notwendig machten. Und gerade in diesen zwei oder drei Tagen vollzog sich das Verhängnis. Die Gestapo wiederholte ihren Besuch in meiner Sollner Wohnung, kehrte diesmal das unterste nach oben und fand nun auch meine Tagebücher. Damit fiel ihr ein Material in die Hände, gegen dessen Beweiskraft nichts Entlastendes mehr vorzubringen war. Am 28. November 1939 lud man mich zu einem zweiten Verhör und am 12. März des darauffolgenden Jahres wurde ich durch einen Telefonanruf aufgefordert, in das Wittels­ bacher Palais zu kommen, angeblich um mein gesamtes dort noch lagerndes Schriftenmaterial, einschließlich meiner Tage­bücher, abzuholen. Ich wußte, als ich mein Arbeitszimmer in der Universität verließ, daß ich es nie wieder betreten würde. Ein dunkles Gefühl sagte mir, daß die Tage der Freiheit für mich ein Ende gefunden hatten. Noch wäre Zeit gewesen, mich durch Flucht der drohenden Verhaftung zu entziehen, aber meine Mittellosigkeit, meine überreizte nervöse Anspan­nung versetzten mich in einen Zustand von Verwirrung und Apathie. Es blieb mir nichts anderes übrig, als dorthin zu gehen, wohin man mich beschied. Ich tat es, und saẞ zwei Stunden später in der Zelle Nr. 13 des Staatspolizeigefäng­nisses an der Brienner Straße .

2 Weiß- Rüthel, Nacht und Nebel

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