zimmer des 2. Stockwerks eröffnete mir nun Herr Grimm, daẞ ich verdächtig sei, der Verfasser einer antifaschistischen Schrift ,, Der Schicksalsweg des deutschen Arbeiters" zu sein. Ich erklärte, daß ich der Verfasser nicht sei. Da ich aber einen Beweis hierfür ebensowenig erbringen konnte, als die Behörde einen Beweis für die Richtigkeit ihrer Anschuldigung, lieẞ man diesen Punkt zunächst offen und legte mir dafür eine Reihe anderer Vergehen zur Last; so unter anderen, daß ich im Jahre 1929, also vier Jahre vor Hitlers Machtantritt, eine Spende von 50 deutschen Reichspfennigen für die antifaschistische ,, Eiserne Front" gemacht hatte. Da mein Name in der sich im Besitze der Gestapo befindlichen Spenderliste unmittelbar hinter dem des ehemaligen sozialdemokratischen Vizepräsidenten des bayerischen Landtags, Erhard Auer , stand, gewann die Sache offensichtlich an Tiefe und Belastungsschwere. Man könne mich zwar, so sagte Herr Grimm, für diese Stiftung an sich nicht mehr verantwortlich machen, da sie längere Zeit vor Hitlers Machtantritt erfolgt sei, aber die Tatsache, daß ich einer den Nationalsozialismus bekämpfenden Organisation durch eine Geldzuwendung meine Sympathie ausgedrückt habe, sei ein weiterer Beweis für meine staatsfeindliche Gesinnung. Die Höhe des gespendeten Betrages sei dabei von ganz untergeordneter Bedeutung, da ohne weiteres angenommen werden könnte, daß ich in einem günstigeren Vermögensfalle ebensogut 50 oder 500 Mark für diesen Zweck gegeben hätte. ,, Sollte", so schloß Herr Grimm das Verhör ,,, sich im Laufe der nächsten Zeit herausstellen, daß Ihre Gegnerschaft, die ja ohnedies hinreichend erwiesen ist, sich auch noch in einer anderen, konkreteren Form bekundet, so haben Sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben“.
Damit war ich für diesmal entlassen.
Ich gebe zu, daß es damals, nach diesem ersten Verhör durch die Gestapo , hoch an der Zeit gewesen wäre, den von Herrn Grimm angedeuteten Folgen zu entgehen. Das Land zu verlassen, war schon nicht mehr möglich. Der Krieg mit Polen hatte seinen Anfang genommen und jede Ausreisemöglichkeit
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