war. Die Folgen zeigten sich nach wenigen Tagen. Die„Be- wegung“ eröffnete einen neuen Kampf gegen mich, indem sie zunächst eine in der„Jugend“ veröffentlichte bildliche Glossierung nazisiischen Rassewahnsinns zum Gegenstand heftiger Angriffe machte. Sie schimpfte mich einen Porno- graphen und Judenknecht, weil ich eine Novelle des franzö- sischen Schriftstellers Maurice Decobra veröffentlicht hatte. Sie nannte mich einen Defaitisten, weil in einer Nummer der „Jugend“ die Reproduktion einer Zeichnung des Graphikers Niedermayer-Passau, erschienen war, ein Blatt, auf dem eine etwas ärmlich gekleidete Frau, eine alte Bäuerin, mit einem kleinen Jungen in einem Abiteil 4. Klasse sitzend, dargestellt war. In dieser tendenzlosen Zeichnung entdeckte die„Bewe- gung“ die bewußte Absicht, Bestrebungen des Nationalsozia- lismus zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und Ver- kehrsmittel im Dritten Reich zu sabotieren und herabzusetzen. Diese erstaunliche Eröffnung machte mir die Polizei, die mich in dieser Angelegenheit aufsuchte. Ich mußte mich verant- worten, mußte zu Protokoll geben, was ich mir bei Veröffent- lichung dieses Blattes gedacht hatte. Später, als man mich verhaftet hatte, tauchte auch diese verrückte Anschuldigung wieder in meinen Akten auf, und da es dort nun hieß„hat auch durch Karikaturen von Einrichtungen des Staates und der Partei seine Gegnerschaft hinlänglich bekundet“, bekam ich immer wieder die seltsamsten Ansichten über die Ver- werflichkeit meiner Person und meines Tuns zu hören. An sich wären diese Beschuldigungen noch belanglos ge- blieben, wenn sie nicht andere, wirklich gefährliche Mächte auf mich und meine schriftstellerische Tätigkeit aufmerksam gemacht hätten. So vor allem das„Schwarze Korps“, die Wochenzeitung der SS, die fast mit jeder ihrer Nummern ein paar ihr unliebsamer Volksgenossen an den Pranger stellte und damit der Gestapo aüslieferte; dann der Reichsverband der Deutschen Presse , der bei dieser Gelegenheit erst da- hinterkam, daß ich ihm gar nicht angehörte und so kein Recht hatte, Schriftleiter zu sein. Und endlich das Reichspropa-
12


