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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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Leiters der Berliner Hochschule für Musik, Professor Schüne­mann, zur Mitwirkung an der Gestaltung und Herausgabe eines republikanischen Jugendliederbuches, hatten mich der Staatsfeindschaft im Sinne der Nationalsozialisten verdächtig gemacht. Später, als Hitler endlich, geführt von der Greisen­hand des Marschalls und Präsidenten Hindenburg , die letzten Stufen des so heiß erstrebten Thrones erklommen hatte und die Partei in den Besitz aller Machtmittel gelangte, bekam auch ich die Unerbittlichkeit und die Rachsucht der neuen Herren zu spüren.

Den Anfang in der Reihe der mir zur Last gelegten Ver­gehen bildete eines meiner Gedichte, das in der, Weltbühne" erschienen war, und das im Jahre 1934 plötzlich in einer in Prag herausgegebenen Anthologie Lieder der Emigranten" auftauchte. Wie es dahineingeriet, weiß ich heute noch nicht; jedenfalls bereitete mir dieser leichtfertige Nachdruck Schwie­rigkeiten. Die im Münchener Zentralverlag der Partei er­scheinende Wochenschrift Die Bewegung", eine Zeitschrift der nationalsozialistischen Studenten, fragte in ihrem Blatt, wie es möglich sei, daß von einem nicht in der Emigration, sondern greifbar in München lebenden Schriftsteller ein pazi­fistisches Gedicht in einer Emigranten- Anthologie erscheinen konnte. Da mir der Vorgang selbst nicht bekannt war und Stillschweigen unfehlbar der Anlaß zu weiteren Fahndungen geworden wäre, blieb mir nichts anderes übrig, als der Be­wegung" mitzuteilen, daß ich keinen Teil habe an der Heraus­gabe jener Sammlung; ein Umstand, der freilich nichts an der Tatsache meiner Verfasserschaft änderte. Immerhin, die ,, Be­wegung" druckte meine Erklärung ab und die Angelegenheit schien damit erledigt. Ja, mehr als das! Die Redaktion der ,, Bewegung" fand sich aus irgendwelchen Gründen plötzlich bemüßigt, eine Art Freundschaftsverhältnis mit mir anzu­bahnen. Sie schickte mir einen Herrn namens Klaus Fein in die Redaktion, der offenbar den Auftrag hatte mir mitzu­teilen, daß der Redaktionsstab der ,, Bewegung" geneigt sei, sich mit mir zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden und uns Be­

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