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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Erschüttert standen Offiziere und Mannschaften beieinander. Als sie wie­der am Haupttor angelangt waren, sagte General Patton dem Häftlingslager­führer:

Ich bin Soldat, und ich habe schon vieles gesehen und erlebt. Aber so etwas noch nicht.-. Ich ordne daher an, daß die Häftlinge erst dann das Lager verlassen dürfen, wenn sie wieder zu Kräften gekommen sind.--- Ich werde helfen!"

Unfer unseren Hoch- und Dankesrufen verließen die Amerikaner das be­freite Buchenwald.

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Geheimbefehl Himmlers

Nun begann die Arbeit für die Freiheit und das Wohlergehen der ehe­maligen" Häftlinge. Verhandlungen setzten ein. Aus den ehemaligen Häft­lingen hatte sich ein internationales Komitee gebildet, das alle aufkommen­den Fragen mit den Amerikanern besprach. Langsam ging die Sonne über Buchenwald unter. In allen Sprachen schwirrten Worte über den Verhand­lungstisch, als plötzlich das Telefon läutete. Ein Häftling nahm den Hörer ab. Ihm zur Seite standen amerikanische Offiziere.

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,, Hallo, hier ist der Stadtkommandant von Weimar ", dröhnte es durch den Saal, kann ich den Lagerführer Pfister sprechen?" Geistesgegenwärtig ant­wortete der Häftling: Ja, der bin ich". Es entstand eine kleine Pause. Dann begann die seltsame Stimme von neuem zu fragen: Was ist los, geht die Verschleppung planmäßig weiter. Wissen Sie nicht, daß amerikanische Pan­zer im Anmarsch auf das Lager sind? Weimar ist umgangen. Ich mache Sie, Herr Hauptsturmführer, darauf aufmerksam, daß es in dem Geheimbefehl des Chefs Himmler heißt: Kein Häftling darf in die Hände der Feinde fallen. Liquidieren Sie sofort das Lager. Handeln Sie als Deutscher und SS.- Mann, gefreu dem Fahneneid, den Sie dem Führer gegeben haben. Heil Hitler! Es lebe Deutschland !"

Das waren die letzten Worte. Das Telefongespräch war beendet. Kopf­schüttelnd standen die ehemaligen Häftlinge und die Angehörigen der amerikanischen Armee nebeneinander. Wie ein kalter Strahl war es uns über den Rücken gelaufen. Erschrocken schauten wir uns an. Wir waren blak ge­worden. Jetzt haben wir die Gewißheit erhalten, daß unser Leben am seide­nen Faden hing, daß man keinen Häftling in die Hände der Feinde fallen lassen wollte. Wir hatten uns in einer furchtbaren Gefahr befunden.

Wäre es den Massenmördern von Buchenwald gelungen, die Munition und das Sprengmaterial, das bergehoch vor die Tore des Lagers und rings um das Lager herum zerstreut war, zur Explosion zu bringen, dann wäre von uns allen nicht viel übrig geblieben.

Die SS. - Banditen hatten sich als wahre Helden erwiesen. Sie hatten die Flucht vorgezogen." Immer voran", wie es bei diesen Helden hieß. Auch der Lagerführer, der so hochtönende Worte gesprochen hatte, er wolle das Lager dem Feinde übergeben, und er wolle keine weiteren Schandmaßnahmen mehr durchführen, auch er war als einer der ersten verschwunden. Noch vor den Toren des Lagers hatten sie ihre Uniformen weggeworfen. Diese lagen überall zerstreut umher. Da ein Rock, dort eine Hose, dort Mütze, Koppel, alles durcheinander. Aber auch dieses würde nichts an einer Vergeltung än­dern. Schon jetzt hatte man viele der SS. - Banditen erwischt. Auch die andern würden gefunden werden, wohin sie sich auch verkriechen wollten. Wir

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