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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Dieser rätselhafte Befehl wurde zweimal wiederholt. Was sollte dieses bedeuten? In Eile verließen die Banditen das Lager. Unsere Aufregung hatte sich verstärkt. Auch waren alle Häftlinge, die bei der Kommandantur in Arbeit standen, weggeschickt worden. Fieberhafte Vorbereitungen der SS. schienen uns auf eine Vernichtung des Lagers hinzuzielen.

2 Uhr und 50 Minuten. Wiederum ertönte der Lautsprecher: Achtung, Achtung! Sofort sämtliche Blockältesten im Laufschritt ans Tor!" Als befän­den sie sich in einem Wettrennen, so sprangen die Aeltesten ans Tor, während wir nervös und neugierig hinter den Fenstern auf die Rückkehr warteten. Jeder wollte zuerst sehen, wann die Aeltesten zurückkamen. An­dere Häftlinge standen unter der Tür, um schnellstens zu erfahren, was an­geordnet worden sei.

3 Uhr. Wieder waren zehn Minuten gespanntester Erwartung vergangen. Die Gefahr, unser Leben noch in letzter Stunde zu verlieren, faßte uns im­mer stärker. Der Blockälteste war zurückgekommen. In ernsten Worten teilte er uns mit, dafs wir evtl. zur Selbsverteidigung bereit sein sollten. Wörtlich sagie er: Kameraden! Der Lagerführer hat uns soeben folgende Erklärung abgegeben: Gehen Sie zurück in Ihre Blocks und sagen Sie den Häftlingen, daf in wenigen Minuten starke Detonationen erfolgen werden. Ermahnen Sie die Häftlinge, tapfer zu sein, wie sie es in der ganzen Zeit ihrer Ge­fangenschaft gewesen sind. Achten Sie auf Ordnung und Disziplin. Sollten die Baracken einstürzen, so halten Sie die Häftlinge in den Baracken zu­sammen, damit keine Panik hervorgerufen wird. Bei Verletzungen müssen Sie sich gegenseitig helfen".

Der Blockälteste fuhr dann fort: Kameraden, die letzte Stunde hat geschla­gen. In wenigen Minuten muß es sich entschieden haben, ob wir weiterleben dürfen, oder sterben müssen. Ich weiß mir selbst keinen Rat, und kann auch Euch darum keinen Raf erteilen. Jeder muß sich selbst zu helfen wissen. Möge Gott uns helfen in diesen schweren Minuten der höchsten Gefahr und uns vor dem Sterben retten".

Die Worte waren verklungen. Atemlos hatten wir diesen Worten ge­lauscht. Eng saßen wir in den Blocks zusammen. Keiner durfte hinaus. Es beherrschte uns ein Gefühl, als säßen wir auf einem Pulverfaß, welches in wenigen Minuten explodieren müßte. Grauenhaft, ja direkt unbeschreiblich war die Situation, in der wir uns befanden. Wir waren ohne Recht. Und wir konnten uns nicht wehren, daß auch diese letzte Maßnahme gegen uns durchgeführt wurde. Obwohl wir Tausende von Häftlingen waren.

3 Uhr und 10 Minuten. Alles war ruhig. Jeder beschäftigte sich mit sei­.nen eigenen Gedanken. Es tauchten Wufgedanken und Gedanken der Ver­zweiflung auf. Dazwischen immer die Wünsche auf das baldige Eintreffen der Befreier.

3 Uhr und 15 Minuten. Einzig und allein der Lagerschutz und die An­gehörigen der Bergungstrupps befanden sich noch auf den Straßen und Plätzen des Lagers. In der Kommandantur befand sich niemand mehr. Nicht nur die bisher dorthin kommandierten Häftlinge, sondern auch die SS. - Banditen hatten das Kommandanturgebäude verlassen. Die Angehöri­gen des Lagerschutzes gaben ununterbrochen Meldungen nach den ein­zelnen Baracken, um die Häftlinge über jede Bewegung der SS. auf dem Laufenden zu halten. Wir sahen, wie mit Panzerfäusten bewaffnete SS.- Ban­diten in einer Stärke von ca. 60 Mann ums Lager schlichen. Wir erkannten, dak sie Kisten schleppten. Eine Sprengung des Lagers stand also bevor. In wenigen Minuten waren diese SS. - Mannschaften den Berg des Lagers hin­

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