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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Nacht die Flugzeuge der alliierten Armeen. Wir winkten ihnen mit Tränen in den Augen zu. Dann verschwanden die Flugzeuge hinter dem Wald­rand. Kommen die alliierten Truppen noch diese Nacht? Kommen sie gleich? Oder müssen wir noch einen Tag warten? Es ging um unser Leben, um unser Schicksal. Wir wußten, daß unser Leben am seidenen Faden hing. Werden wir gerettet oder werden wir verschleppt? Es mußte am morgigen Tage geschehen, sonst war alles verloren.

Nachdem der Fliegeralarm beendet war, legte ich mich wieder schlafen. Hangend und bangend, was die Nacht und der kommende Tag bringen würde.

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Der Kampf um die Minute

Es war am 11. April. Am frühen Morgen. Noch funkelten die letzten Sterne am Himmel. Nach und nach erloschen die Lampen des Lagers. Leichter Nebel lag über dem Boden. Die Lageruhr verkündete die sechste Stunde. Wir befanden uns in einer Stimmung, als wenn es in ein Gefecht ginge. In Erwartung der Befehle, in ernster Stimmung standen wir bereit. Jeder der Häftlinge versuchte, sich noch ein Paar Schuhe und gute Kleidung zu be­schaffen. Niemand wußte ja, wohin wir verschleppt würden, und wie lange der Marsch dauern würde.

Eine dünne Suppe wurde ausgegeben. Mit dem Mittagessen war nicht mehr gerechnet. Die Küche hatte bereits den Räumungsbefehl bekommen. Nun war es klar, daß wir noch alle fortkamen. Die letzten vorhandenen Reste von Margarine und Marmelade waren ausgegeben. Gleich nach dem Empfang waren diese kleinen Reste verzehrt.

Es war 8 Uhr morgens, als der Lautsprecher verkündete, daß der erste Transport um 12 Uhr und der zweite, also der letzte, um 4 Uhr am Nach­mittag abgehen würde.-- Es war 9 Uhr geworden. Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Im Lager herrschte namenloses Elend. Die SS.- Bestien waren wiederum, mit Maschinengewehren bewaffnet, ins Lager einge­drungen. Eine neue Schlacht begann. Eine Hand in der Hosentasche, und mit der andern Hand das M.G. bedienend, feuerten die SS.- Banditen Schüsse auf Schüsse ab. Abermals fühlten sich diese Helden als Sieger über wehrlose und versklavte Menschen. Von neuem stürmten sie in die Baracken. Und schon erhielten wir den Befehl, zum Appellplatz zu laufen, als ein neuer Befehl kam, nicht anzutreten, weil sich im Zigeunerblock einige Häftlinge versteckt halten sollten. Sofort wurde die SS. mit dem Aus­räuchern dieses Blocks eingesetzt. Wir sahen ein, daß es zwecklos war, sich zu verstecken. Im Zigeunerblock war ein Blutbad angerichtet worden.

Weitere zwei Stunden waren vergangen. Es war inzwischen 11 Uhr ge­worden. Die Zeit zum Abmarsch des ersten Transportes rückte näher heran. Tausende von Häftlingen aller Nationen und aller Religionen umsäumten den Appellplatz. Unter ihnen waren ca. 900 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren, polnische und jüdische Waisen, deren Eltern in den Gaskammern von Auschwitz den Tod gefunden hatten, oder vor den Augen der Kinder ermordet waren.

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Aber gerade, wo 12 Uhr. Die Stunde des Abmarsches war da.-- bereits die Tore geöffnet werden sollten, heulten am heutigen Tage zum ersten Male die Sirenen auf. Wie eine Erlösung empfanden wir das un­

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