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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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bekommen. Das war mein ganzer Besitz. In der kommenden Nacht schlief ich nicht so ruhig, wie in der bereits vergangenen. Ich vermutele, daß, nachdem das Kleine Lager" völlig geleert war, nunmehr eine Generalunter­suchung stattfinden würde. Unruhig warf ich mich hin und her. Ich dachte immer nur daran, wie und wo ich mich am besten verstecken könnte. Ueber­all, wo man mich erwischen würde, war mir der Genickschuß sicher. In die­ser Unruhe entdeckte ich auf meinem Dachboden einige Bretter. Ich ver­suchte, mich darunter zu schieben. Es gelang nicht. So blieb mir also nichts anderes übrig, als dort liegen zu bleiben, wo ich die vorige Nacht ver­bracht hatte.

Der Morgen des 10. April war angebrochen. Ich wagte mich nicht aus meinem Versteck hervor. Unruhig blieb ich noch einige Stunden liegen. Gegen 8 Uhr öffnete ich vorsichtig das Dachfenster, um die Lage zu er­kunden. Als ich einige Minuten hinausgeschaut hatte, sah ich SS.- Bestien, bewaffnet mit Maschinenpistolen, ins Lager kommen. Wie wilde Tiere sprangen sie in die einzelnen Blocks und trieben die Häftlinge heraus. Vor den Blocks standen andere SS.- Banditen, die auf die herausstürmenden Häftlinge einfielen. Viele Häftlinge versuchten sich dadurch zu retten, in dem sie aus den seitwärts gelegenen Fenstern sprangen. Alles vergeblich. Schüsse auf Schüsse krachten. Der Kampf ging weiter. Die SS .- Bestien lie­ben die Häftlinge ruhig erst aus dem Fenster springen, dann aber auch krachten schon die Schüsse und wie leblose Puppen fielen die Häftlinge zur Erde. Was war los?--­

Schnell wurde mir klar, die letzte Aktion begann. Auch das" Große Lager" sollte geräumt werden. Das war das gegebene Versprechen des Lagerführers Pfister. Obwohl schon Tausende von SS .- Banditen abgezogen waren, waren immer noch genügend Bestien vorhanden, die ihrer Freude am Quälen der Menschen Ausdruck geben wollten.

Ich hielt meine Lage für aussichtslos. So kam ich aus meinem Versteck hervor. Ein Kamerad, der schon lange auf mich gewartet hatte, war über­rascht. Er hatte geglaubt, ich sei verschwunden. Große Mistimmung herrschte im Lager. Alles packte die letzten wenigen Habseligkeiten zusammen. Es wurde gesagt, daß wir noch heute, spätestens am nächsten Tage abtrans­portiert würden. In langen Zügen marschierten die Verschleppten durchs Lagertor, der Vernichtung entgegen.

Das Große Lager" war bereits zur Hälfte geräumt. Die Nervosität hatte ihren Höhepunkt erreicht. Es war alles ruhig. Aber in unserer Einbildung hörten wir Kanonendonner näher und näher. Es waren unsere Nerven, die uns diese Geräusche vorgaukelten. Nach den letzten gefärbten" Radio­meldungen sollten die Amerikaner noch 70 Kilometer von Buchenwald ent­fernt sein. Wir schüttelten unsere Köpfe. Konnte es denn möglich sein, daß die alliierten Truppen noch soweit von uns entfernt waren? Dann war das Schicksal von Tausenden von Häftlingen besiegelt.

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Die meisten Baracken des Großen Lagers" waren schon leer. Auch hier bot sich dasselbe Bild, was ich im Kleinen Lager" erblickt hatte. Tole lagen hier und dort. Weggeworfene Decken und alte Kleider lagen überall zerstreut im Lager umher. Die russischen Kriegsgefangenen, die erst einige Tage zuvor aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen nach hier gebracht waren, gehörten zu den ersten, die das Große Lager" verlassen mußten. Die SS. befürchtete von diesen Gefangenen noch vor dem Einrücken der alliierten Truppen eine Revolte.

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Langsam wurde es dunkel. Noch einmal heulten die Sirenen auf, die Retter in der höchsten Not. Noch einmal erschienen im Halbdunkel der

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