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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Der

Alles schlief. Nur das Almen der Häftlinge war zu vernehmen. Ich nahm eine Leiter, mittels der ich den niederen Dachboden des Steinhauses er­kletterte. Dort versteckte ich mich unter Heu. Als der 9. April anbrach, kroch ich unbemerkt aus meinem Versteck hervor. Auf der Lagerstraße herrschte schon Leben. Ich ging sofort ins Kleine Lager", um meine Essens­marken in Empfang zu nehmen. Alles ging seinen normalen Gang und nichts lieb auf die Zusammenstellung eines neuen Transportes schließen. Harmlos empfing ich meine Suppe. Doch, als ich aus der Tür wieder hinaus wollte, da mußte ich zu meinem Entsetzen feststellen, daß man alle Häftlinge, die Suppe empfangen hatten, zurück behielt. So sa ich wieder in der Falle. Als wir ca. 1 000 Häftlinge waren, brachte uns ein Bergungstrupp zum Tor. Wieder stand ich zwischen Sein und Nichtsein. Hier gab es kein Heraus­springen aus den Reihen. Wäre ich aber erst auf dem Appellplatz ange­kommen, dann, so war mir klar, war jedes Enfrinnen unmöglich. Wir setzten uns in Bewegung, schwere Gedanken quälten mich. Doch, als ich gerade noch in aller Verzweiflung mir Selbstvorwürfe machte, noch einmal ins ,, Kleine Lager" gegangen zu sein, sah ich einen Moment zum Flüchten gegeben. Auf beiden Seiten der Straße standen viele Häftlinge. Ich über­legte abermals--- jetzt?--- Sollte es mir abermals gelingen?-- Moment war gekommen. Im Tumult und durch das Geschrei der wehrlosen Häftlinge begünstigt, durch das Hin- und Hergeschiebe, sprang ich mit einem Satz zwischen die an den Seiten stehenden Häftlinge, lief in einen der nächsten Blocks und brachte mich dort in Sicherheit. Kaum war dieser für die Verschleppung vorgesehene Transport auf dem Appellplatz ange­kommen, setzten die Sirenen ein und verkündeten Fliegeralarm". Alle Häftlinge mußten sich in ihre Blocks begeben, nur die auf dem Appellplatz stehenden Häftlinge mußten dort verbleiben. Wir waren über den neuen Alarm glücklich. Wertvolle Stunden gewannen wir dadurch. Dieses Mal waren es dreieinhalb Stunden, die weitere Verschleppungen verzögerten. Wir sabotierten alles, was nur möglich war, um Zeit zu gewinnen. Her­vorragend arbeitete der Lagerschutz. Er führte alle Anordnungen so lang­sam wie möglich durch, damit nur so wenig wie möglich Häftlinge ver­schleppt werden konnten. Als der Alarm beendet war, ging ich wieder nach Block 40 zurück. Kaum aber war ich dort, setzte neuer Alarm ein. Wü­tend rannten die SS. - Bestien umher, wütend darüber, daß sie die Ver­schleppung des gesamten Lagers Buchenwald nicht planmäßig durchführen konnten. Alarm folgte auf Alarm. Die Stimmung im Lager stieg und fiel und stieg wiederum. Es war gegen 6 Uhr abends, nachdem Flugzeuge der englischen und amerikanischen Luftwaffe stundenlang in großer Höhe über unser Lager hinflogen. Es war der vierte Alarm. Plötzlich stießen vier amerikanische Flugzeuge aus dem Himmel auf das Lager herab. Was hatte dieses zu bedeuten? Wir winkten und riefen. Niemand ließ sich mehr hal­ten, als wir die Sterne der amerikanischen Flagge deutlich erkennen konn­fen. Fünfmal umkreisten sie unser Lager. Die Piloten waren gut erkennbar. Sie winkten uns zurück. Es war ein eigenartiges Gefühl, das uns in diesem Augenblick erfaßte. Wir befanden uns noch in den Banden der SS. - Bestien, über uns aber waren schon die Befreier.

Welches Nichtigkeitsgefühl mußte die SS. erfaßt haben, als sie die ameri­kanischen Flieger über uns dahinkreisen sah. Machtlos standen die SS. ­Banditen in unserem Kreise. In der Zwischenzeit war das Kleine Lager" vollkommen geleert. Ich sah mich gezwungen, abermals unter dem Dach des Blocks 40 zu schlafen. Essen konnte ich nun auch keines mehr empfan­gen. Von einem Freund hatte ich ein halbes Pfund Malzkaffee geschenkt

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