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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Auf dem Dach der Baracke war aber, wie zum Hohn, dasRote Kreuz angebracht.

Ich hatte mich angemeldet, und jetzt blieb mir keine andere Wahl, als hier zu bleiben, denn dieser Krankenblock bot mir die größte Sicherheit.

Die Nacht brach herein. Ich mußte mir einen Schlafplatz suchen, Was blieb mir übrig, als mich zwischen die Toten und Halbtoten zu legen. In einer Ecke entdeckte ich noch einen freien Platz, ringsherum um diesen Platz aber waren nur Tote. Ich wähnte mich zwischen Toten am sichersten. Und immer wieder schützte mich der Gedanke, ich müsse versuchen, mich so- lange wie möglich hier herumzudrücken, um Zeit zu gewinnen, Von der Freiheit konnten uns nur noch wenige Tage, vielleicht nur noch wenige Stunden trennen,

Gegen Mitternacht spürte ich plötzlich ein Zerren an meinen Füßen. Ich erwachte,. Im Halbdiunkel der Baracke erkannte ich zwei Häftlinge, die mich an den Füßen wegziehen wollten. Als diese beiden Häftlinge jedoch merk- ten, daf ich mich noch bewegte, ließen sie mich schnell fallen, wobei der eine zum andern sagte:Laß ihn liegen, der lebt ja noch. Ich bemühte mich, weiter zu schlafen. Vorher jedoch erkannte ich, daß man die Toten, deren Zahl sich stündlich vermehrte, aus der Baracke schaffte, Die Nacht verging, wie schon so viele schreckliche Nächte vergangen waren. Die Toten waren hinausgefragen. Ich lag noch allein in meiner Ecke. So erwachte ich am Morgen des 8, April.

Ungewönlich früh bekamen wir unsere Suppe. Das sollte unsere Tages- verpflegung sein. Brot war nicht mehr vorhanden. Mit offenen Augen blickte ich auf alles. Ich wollte jede Veränderung sofort in mich aufnehmen, um daraus meine Lehren zu ziehen. So bemerkte ich, daß sich nach und nach immer mehr Häftlinge des Lagerschutzes und der Bergungstruppe um das Kleine Lager scharten. Unter den Angehörigen des Lagerschutzes erblickte ich einen alten Bekannten. Auf diesen lief ich zu, um zu fragen, was die Ansammlung der Schutzorganisation zu bedeuten hätte, Er sagte mir, dak aus demKleinen Lager ein Transport zur Verschleppung zusammengestellt würde. Ich sollte mich beeilen, insGroße Lager zurückzukehren. Schnell folgte ich dem Rat. Unbemerkt kam ich in den Block 40 zurück. Dort erzählte ich meine Erlebnisse aus dem Krankenblock. i

Ich schaute durchs Fenster der Blockbaracke. Der Hunger quälte mich ungemein, Ich mußte warten, denn das nächste Essen würde es ja erst wie- der in 24 Stunden geben. Da sah ich, wie gerade der Müllwagen mit Kar- toffel- und Rübenschalen vorbeifuhr. Ich lief aus dem Block hinaus und rannte dem Wagen nach. So kam ich zu Kartoffel- und Rübenschalen. Als ich nach einiger Zeit wieder in den Block 40 zurück kam, kochte der alte

mich beschützende Häftling Kartoffeln, von welchen er mir auch einige abgab.

Auch der Tag ging vorüber. Aus demKleinen Lager waren mehrere Transporte abgegangen. Um wieder zu einer Suppe zu kommen, sah ich mich gezwungen, noch einmal in dasKleine Lager zurückzukehren. Die- sesmal hatte ich mich nicht vor der Krankenbaracke aufgestellt, sondern vor einem anderen Block. Ich wurde abermals in Block 63 registriert und war damit gleichzeitig vom Krankenblock abgemeldet. Da es abends ja keiner- lei Verpflegung mehr gab, und die gemeldete Blockstärke des morgens für die Ausgabe der Suppe des nächsten Tages maßgebend war, ich auch einen Nachttransport fürchtete, flüchtete ich unter dem Stacheldraht, der nicht mehr geladen war, in dasGroße Lager, nach Block 40, zurück.

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