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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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es. Mit einem Male klang es durch den Lautsprecher: Achtung, Achtung! Um 7 Uhr ist Generalappell. Ab sofort ist Blocksperre!"

Wir waren uns des Ernstes unserer Lage klar, besonders wir Juden. Wir wußten, dah jetzt die Stunde der Entscheidung über unser Schicksal ge­kommen war. Nun gab es kein Entrinnen mehr. Jetzt ging es nur noch um Sieg oder Untergang. Das Verstecken war zwecklos geworden, denn wir waren uns dessen bewußt, daß während des Appells eine Generalunter­suchung sämtlicher Blockswohnungen durchgeführt würde. Wer dann aber erwischt wurde, der war auch seines Todes sicher. Alle Häftlinge, die sich in fremden Blocks versteckt gehalten hatten, sprangen in ihre eigenen Blocks zurück. Mit dem Unterkriechen in einen fremden Block hätten wir auch das Leben derer gefährdet, die uns Obdach gewährt hätten. Ange­hörige des Lagerschutzes und der Bergungstrupps umstellten die Blocks. So konnte keiner mehr ein noch aus. Auch das Kleine Lager" war von Angehörigen der genannten Organisationen umgeben. Doppelposten waren aufgestellt.

Inmitten dieser fieberhaften Abriegelung der Blocks und des Kleinen Lagers" ertönte wiederum der Lautsprecher: Achtung, Achtung! Zum Ge­neralappell aufmarschieren!"

Die Blocktüren öffneten sich. Wir traten in Fünfereihen an. Vielleicht war es zum letzten Male. Unsere Augen schauten trübe in die Zukunft. Lang­sam marschierten wir nach dem Appellplatz, zu dem entscheidensten Appell der ganzen schrecklichen Jahre. Blockweise, wie stets, waren wir auf dem großen Appellplatz angetreten. Unruhig und nervös starrten 60 000 Häft­linge nach dem Lagertor. Jedes Knacken im Lautsprecher ließ uns zusam­menfahren. Gespannter denn je war die Lage. Kein Lauf war zu vernehmen. Es war uns, als wenn auch die Vögel vermieden, ihr gewohntes Lied in die Lüfte zu senden. Nur die Sonne sendete ihre Strahlen über die Stätte des Grauens.

Wir waren den SS.- Bestien auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. An ein Zusammenhalten war nicht mehr zu denken. In den kommenden Minuten war jeder einzelne seinem Schicksal überlassen. Die Minuten vergingen schnell und noch schneller. Sekunden konnten uns nur noch von der Ent­scheidung frennen. Wir drückten die Hände kraftvoll zusammen und spra­chen zu uns selbst: Aufpassen, Augen auf und Mund zu!"

Dann kam der Augenblick heran. Die Stimme der SS. - Blockführer, dieser Bestien, ertönte: Achtung, Achtung! Häftlinge stillgestanden! 60 000 Häft­linge schlugen die Hacken zusammen, den Blick auf das Mikrophon gerichtet. Wieder erklang eine Stimme:" Sämtliche Judenblock Nr. 22, 23 und 28 zum Tor!" Jetzt mußte die Entscheidung fallen. Jetzt hieß es handeln. Kaum waren die Worte gesprochen, da standen auch schon die Blockführer, mit Peitschen und Revolvern bewaffnet, hinter uns. Man frieb uns Juden zum Tor. Während dieser Zeit mußten die anderen Blocks stillstehen. Ernst schauten sie uns nach. Sie konnten uns nicht helfen. Die Uebermacht der bewaffneten SS.- Bestien war zu groß. 60 000 unbewaffnete Häftlinge stan­den 7 000 in Waffen starrenden SS.- Bestien gegenüber, bereit, jeden Auf­ruhr mit aller Gewalt niederzuschlagen. Ich glaube sagen zu dürfen, daß wohl jeder meiner Kameraden sich während dieser Minuten mit dem Ge­danken um die Errettung seines Lebens geplagt hat. Was konnten wir fun? Was konnte geschehen? Wegspringen? Würden wir dabei erwischt?--­Dann war auch alles aus. In Sekundengeschwindigkeit rasten diese und an­dere Gedanken durch meinen Kopf. Blaf und zitternd machte ich Schrift für Schritt,

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