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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Da, ganz plötzlich wieder der Lautsprecher. Es knackte. Wir horchten. Achtung, Achtung! Sämtliche Juden ans Tor!"

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Zwei Minuten tiefster Stille.--- Und dann brach die Erregung los.--- Gemeinheit!--- Die SS. hatte Angst. Man fürchtete uns 60 000 Häftlinge. Die Waffengewalt blieb aus.--- Jetzt forderte man die Juden auf, ans Tor zu kommen. Wollte man Verräter pressen? Wollte man die Juden noch im letzten Augenblick morden oder verschleppen? Von den Juden er­wartete man, daß sie bestimmt ans Tor kommen würden. Aber! Was aber"?--- Es hieß handeln.

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Jeder Jude mußte auf eigenes Risiko handeln. Es gab im Großen Lager" drei Judenblöcke, Nr. 22, 23 und 28. Im Kleinen Lager" dagegen befanden sich 70 Prozent. Es folgten die gleichen Maßnahmen, es entstand das­selbe Hin und Her, die gleiche Situation wie bei dem Befehl, die 46 Häft­linge sollten sich melden. Niemand wollte sich den Händen der SS .- Bestien überantworten. Alle Juden versteckten sich.--- Ich legte mich in eine Ab­falltonne. Andere Häftlinge bedeckten mich mit Asche und sonstigem Schmutz. Niemand konnte unter diesem Schuff einen Häftling vermuten.

Mit aufeinandergebissenen Zähnen und geballten Fäusten saß ich dort drei lange Stunden und rührte mich nicht. Aus den Worten der vorüber­gehenden Häftlinge entnahm ich, daß sich nicht ein einziger Jude am Lager­for eingefunden hatte. Um sich Respekt zu verschaffen, hatte man alsdann die kranken Juden aus dem Kleinen Lager" ans Tor geschleppt. Mit Ge­walt hatte man diese Kranken auf dem Appellplatz zusammengetrieben. Dort waren einige SS.- Besfien und Capos mit grünem Winkel" erschienen, um die Kranken in der früheren" Weise zu empfangen.

Um halb 12 Uhr nachts schrie es durch den Lautsprecher:" Sämtliche Juden sofort im Laufschritt in die Blocks zurück!"

Ich wartete noch eine Stunde. Dann kroch ich langsam und leise aus meiner Tonne heraus und in meinen Block zurück. Mit Kleidern und Stie­feln legte ich mich auf einem verlausten Strohsack nieder. Ich konnte nicht schlafen,--- ich war zu unruhig, jede Minute war mit einer plötzlichen Kontrolle der SS. zu rechnen. Dann aber mußte ich" wach" sein, darum mußte ich jetzt, wachsam" sein. Es war doch damit zu rechnen, daß jeder erwischte Jude" mitgenommen" würde. Wollte mich aber der Schlaf über­listen, dann halfen mir die im Strohsack wimmelnden kleinen Tiere", den Schlaf zu überwinden.

Die ganze Nacht hindurch wurden leise Gespräche geführt. Ein Wispern und Raunen ging hin und her. Die Nacht verging.--- Nichts geschah.-. Der 7. April brach an.

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General- Appell

Der 7. April war da. Es war 5 Uhr am Morgen. Nichts hatte sich geändert. Mit Sorge schauten wir nach wie vor in die Zukunft. Der Kaffee wurde aus­geteilt, der Block wurde gereinigt, alles ging seinen gewohnten Gang. Da neue Gerüchte in der Nacht nicht aufgetaucht waren, war auch kein beson­derer Gesprächsstoff gegeben. Ruhig und still saben wir im Schlaf- und Tagesraum zusammen. Am Radio begann es zu knacken. Wir horchten auf. In Kürze stand eine Meldung bevor. Und richtig, wie gedacht, so geschah

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