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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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mindert weiter. Wichtige Arbeiten waren kaum zu erledigen. Auch das Baukommando bestand nur noch, um die Häftlinge zu quälen und ihnen keine Minute Ruhe zu lassen. Man ließ Mauern errichten und sie wieder abreien. Man schaute nicht nach, oder fragte nicht ob die Baustoffe für andere Zwecke wichtiger seien. Die Mauern mußten erbaut und wieder abgerissen werden. Auch in meinem Kommando war die Arbeit beendet, d.h. das Stück Wald, das abgeholzt werden sollte, war verschwunden. Ich kam darauf in ein vier Kilometer vom Lager enfferntes Auenkommando. Es war dasEisenbahnkommando E 7. Der Weg dorthin war weit. Und die schweren Holzschuhe machten mir viel zu schaffen. Wenn Fliegeralarm ein- setzte, so war dieses für die Aukenkommandos ein wahrer Mord, denn wir konnten nicht ins Lager zurück. Der Weg war zu weit und wir konnten uns auch in keiner Hütte unterkriechen. Wir mußten uns dann in den Wald unter die Bäume legen. War es aber naß, oder lag Schnee, dann mukten wir sogar stehen. Dieser Aufenthalt im Wald war nicht ganz ungefährlich, denn immer wieder fielen Brandfackeln zwischen den Bäumen hernieder. So er- hielten auch wir unser Teil von dem Kriegsgeschehen mit ab.

Nervosität in Buchenwald

Am vierten Tage, nachdem das Arbeitskommando, dem ich michaus eigener Machtvollkommenheit selbst zugeteilt hatte, die Arbeit ungefähr eine Stunde aufgenommen hatte, kam ein SS.-Meldefahrer nach unserer Arbeitsstelle und befahl die sofortige Rückkehr der gesamten Außen- kommandos. Die Bewachungs-SS. wurde nervös. Ganz plötzlich war die Stimmung umgeschlagen. Im Eiltempo verließen wir unseren Wirkungsort. Allerhand Gedanken schwirrten, wie stets nachSofortbefehlen, in un- seren Köpfen umher.

Die Augen zum Himmel gerichtet,-- wir glaubten an eine Luftlandung der alliierten Truppen,-- legten wir die vier Kilometer lange Entfernung von der Fabrik nach dem Lager in kurzer Zeit zurück.

Als wir immer noch keine Flugzeuge erblickten, befürchteten wir eine Evakuierung, einen neuen Todesmarsch. Ich hatte Fürchterliches erlebt in all den zurückliegenden Jahren, doch mit Schrecken und Grausen gedachte ich des grauenvollen Marsches von Jawischowitz nach Loslau . i

Schrecklicheres konnte es nicht geben, als unter den Knuten der SS. ver- schleppt zu werden.

Wir hatten leise tuschelnd vernommen, daf die amerikanischen Truppen im schnellen Vormarsch wären. Aber-- die Russen haffen sich auch im schnellsten Vormarsch befunden, wir hatten die Kanonen gehört, und dennoch hatten sie uns nicht erreicht, dennoch hatte uns die SS. -Soldateska viel schneller fortgetrieben. Wir hatten unsere eigenen Begriffe von Schnel- ligkeit. Aus diesem Grunde setzten wir unsere ganze Hoffnung auf eine Landung amerikanischer Fallschirmjäger. Dann,-- vielleicht,-- wären wir gerettet, Sonst stand immer noch die Ermordung von Tausenden von Häft- lingen bevor, und dazu konnte jeder von uns zählen.

Sein oder Nichtsein,-- rumorte es in unseren Köpfen.

Zusammen mit vielen anderen auch zurückgerufenen Außenkommandos langten wir vor den Toren unseres Lagers an. Wir harrten der Dinge, die da kommen sollten. Doch nichts geschah.

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