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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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waren weg. Wir waren jetzt nur noch ungefähr 20 Kameraden vom ersten Transport übrig geblieben. Wir bildeten den Rest von den ca. 10000 Juden des Jahres 1940, die aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt wurden.

Wir wurden erneut untersucht, diesmal jedoch von Häftlingsärzten. Gut" oder schlecht" lautete das Ergebnis, das auf einem Bogen Papier festge­halten war. Als ich an die Reihe kam und auf der Waage stand, da zeigte der Gewichtszeiger mein Gewicht mit 40 Kilogramm an. Also erhielt ich den Befund schlecht". Jedoch war ich mir der Folgen eines solchen Befundes noch nicht bewußt.

Zwei Tage darauf erhielt ich eine Karte, auf der mir die Einteilung in ein Arbeitskommando mitgeteilt wurde." Holzhof" stand kurz darauf vermerkt. Dieses Wort konnte mir nichts Näheres verraten. Mit zerrissenen Turn­schuhen, defekten Fußlappen und Hosen mußte ich meine Arbeit, die aus Holzsägen bestand, in tiefem Schnee verrichten. Diese Arbeit fiel mir umso schwerer, nachdem ich jetzt eine ganze Zeit täglich sitzend im warmen Zim­mer verbracht hatte. Ich freute mich jetzt immer mit den anderen Häftlingen gemeinsam auf den Abend, um dann in einen warmen Block zu kommen. Nachdem ich einige Tage in dem Kommando" Holzhof" verbracht hatte, bemerkte ich mit einem Male, daß mehrere Häftlinge ihre Kommandokarte einfach bei dem Vorarbeiter auf dem Appellplatz abgaben. Dies war mög­lich, weil dem Kommando zuviel Häftlinge zugewiesen waren, aber nicht genügend Arbeit vorhanden war, auch nicht die entsprechende Menge Werkzeuge. Ich versuchte also, auch meine Karte abzugeben, und es ge­lang mir. Ich ging zurück in meinen Block und wollte dort den ganzen Tag verbringen und meine Karte gegen Arbeitsschluß wieder abholen. Dieses aber war mir nicht gelungen. Der Blockälteste meines Blocks warf mich hin­aus und übergab mich dem Lagerschutz, der mich nach der Arbeitsstätte hinführte.

Wieder wartete ich einige Tage, um andere Gelegenheiten zu erforschen. Nach zwei Tagen gab ich meine Karte wieder auf dem Appellplatz ab und verschwand. Dieses Mal aber drückte ich mich vierzehn Tage lang von mor­gens bis abends von einem Abort auf dem andern herum. Dabei lief ich natürlich stets Gefahr, erwischt zu werden. Schwere Strafen wären mir sicher gewesen. Mit der Zeit füllten sich die Aborte derart, daß die Häfflinge, die die Aborte wirklich benutzen mußten, keinen Platz mehr bekamen. So kam es zu Beschwerden. Bei einer Razzia, die andern Tags durchgeführt wurde, hatte ich das Pech, erwischt zu werden. Strafweise kamen ich und noch mehrere Häftlinge in das Kommando Steinbruch". Hier mußten wir schwerste Arbeit verrichten. Im Laufschritt mußten wir Loren schieben und auf dem Rücken schwere Steine schleppen. Als besondere Strafmaßnahme wurde uns die Essenszulage, die es sonst für Arbeiten bei diesem Kom­mando gab, nicht gewährt. Statt dessen erhielten wir Schläge.

Durch Bekannte hörte ich dann einige Tage später, daß es im Lager Kom­mandos gäbe, bei denen man wohl schwer arbeiten müsse, aber auch drei­mal in der Woche eine Zulage von 250 gr Brot erhielt. Ich ließ mich zu die­sem Kommando heranziehen und organisierte mir nach kurzer Zeit für ein Stück Brot ein Paar Holzschuhe. Wenn sie auch viel zu groß waren, so hatte ich doch in diesen Holzschuhen keine kalten Füße mehr. Allerdings hatten die schweren Holzschuhe für meinen schwachen Körper auch Nachteile. Es war eine äußerst schwere Arbeit, die wir in diesem Kommando Holzfäller für Fahrbereitschaft" zu verrichten hatten. Wir arbeiteten draußen im Wald und waren zusammen 30 Kameraden. Unsere Arbeit lag innerhalb der

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