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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Das Kleine Lager"

Das Kleine Lager" gehörte zu den Ausrottungsinstituten der national­sozialistischen Massenmörder. Die Vergasung der Menschen in den Gas­kammern von Auschwitz mußte als" human" bezeichnet werden gegen­über der Aushungerungsmethode, die hier ausgeübt wurde. Das Lager lag im Bereiche des 5000 Volt Starkstromes und war von dem Großen Lager" nur durch einen einfachen Stacheldraht getrennt. Der Uebertritt von einem zum andern Lager war verboten und wurde nur in ganz seltenen Fällen gestattet.

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Es war ein jämmerliches Lager. Straßen gab es nicht. Hingeworfene große und flache Steine vermittelten das Durchwaten des Schlammes und des Schneewassers.

Als wir die Blocks betraten, die aus einigen Baracken bestanden und die auch untereinander durch Stacheldraht in sich abgeschlossen waren, erhiel­ten wir einen wunderbaren Eindruck". Wir glaubten, in einem Stall" gelandet zu sein. Die Baracke war 24 Meter lang und 7 Meter breit. An beiden Seiten befanden sich die von mir bereits einmal beschrie­benen Holzgestelle, die wiederum in übereinanderliegende Boxen einge­teilt waren. In jede Boxe kamen fünf Häftlinge. Decken und Strohsäcke waren nicht vorhanden. 1500-2000 Häftlinge waren hier Sommer und Winter zusammengepfercht. Die stickige Luft war unerträglich. Trotz allen Bedrücktseins wurde ich an das Wort eines Freundes erinnert, der immer sagte: Warmer Mif ist besser wie kalter Ozon".

Wir ausgemerkelten, völlig unterernährten Häftlinge froren ja immer. Wir konnten Wärme gebrauchen. Aber dennoch,-- diese dicke Luft legte sich auf Augen und Herzen.

Um fünf Uhr morgens wurden wir geweckt. Arbeit war nicht vorhanden. Nach dem Appell mußten wir zurück in unsere Boxen. Dort nahmen wir unser Frühstück" entgegen, das aus 250 gr Brot täglich bestand. Zweimal in der Woche gab es 10 gr Margarine, und einmal in der Woche wurden 1 Kaffeelöffel weißer Käse, ein kleiner Löffel Marmelade und sonntags 20 gr Wurst ausgegeben. Abends gegen 5 Uhr erhielten wir noch einen Teller Kohl- oder Rübensuppe. Die Essenausgabe war furchtbar. Oft mußten wir stundenlang in Nässe und Kälte warten.

Nach einigen Tagen war den SS. - Banditen unser Herumlungern in den Baracken leid geworden,- Arbeit aber war nicht vorhanden,-- also trieb man uns nach dem Frühstück" in die Kälte und Nässe hinaus. Bis nach­mittags um 4 Uhr, zu dieser Stunde wurde täglich der Appell abgehalten, mußten wir uns frierend und hungernd herumtreiben. Die Appelle zogen sich auch oft bis abends um 8 oder 9 Uhr hin. Es war oft zum Verzweifeln. Mit nassen Füßen lange Stunden der Kälte ausgesetzt zu sein, war eine ent­setzliche Qual.

Wir ehemaligen Grubenarbeiter liften ganz besonders unter diesem " Nichtstun".

Das Lager füllte sich immer mehr. Aus Angst vor dem russischen Vor­marsch wurden alle östlich liegenden Lager aufgelöst und die Häftlinge dieser Lager nach Buchenwald transportiert". Bald befanden sich 40 000 Häftlinge im Kleinen Lager". Die Zustände wurden immer unerträglicher. Man wollte uns scheinbar hier vernichten. Die Zahl der " Hungeropfer" wurde immer größer. Auch die Zahl der Kälte­opfer". Systematisch mordete man uns. Bei stärkstem Schneetreiben mußten

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