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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Wir eben wäre

Natur

ungefähr 1250. Also hatten wir rund die Hälfte abermals verloren, also waren wiederum 1250 Häftlinge den Genickschüssen der Henkersknechte zum Opfer gefallen.

Hatten wir noch Hoffnung?

Durften wir noch Hoffnung haben?

Wir drei Freunde schauten uns an. Und der eine von meinen Freunden drückte mir die Hand." Wir wollten durchhalten, Rolf!"

" Ja", flüsterte ich schmerzerstickt. Und wieder hörte ich aus den Wipfeln der verschneiten Buchen die leisen Worte:" Kopf hoch, Rolf!"-- Da riß ich mich zusammen. Ein rechtes Wort zu rechter Zeit.

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Die Tore des Lagers von Buchenwald hatten sich hinter uns geschlossen. Ich selbst befand mich nunmehr im sechsten Lager. Fünfmal waren mir die Tore wieder geöffnet worden.-- Was würde jetzt werden?

Wir wurden zum Baden geführt. Zwei Stunden mußten wir stehen. Ich konnte mich kaum mehr auf den Beinen halten, so erschöpft war ich. Und mit mir 1249 andere Häftlinge. Das Bad erfrischte uns. Aber doch wurde mir schwarz vor den Augen, als ich endlich fertig war. Ich brach zusammen. Man trug mich nach der Kleiderkammer. Meine beiden Freunde blieben bei mir, denn ich war nicht in der Lage, mich allein anzuziehen.

Man hatte uns eine dünne Hose und eine Jacke, blauweißgestreift, ein kurzes Hemd, Fuklappen und einen großen Zivilhut,-- andere waren nicht mehr da, zugeteilt.

Die anderen Häftlinge hatten Schuhe aus Leder oder Holz erhalten, ich dagegen nur Turnschuhe aus dünnem Segeltuch. Als mir die Schuhe zuge­streckt wurden, hörte ich, wie der eine Verteiler zum anderen sagte: Gib Turnschuhe, in drei Tagen ist er doch tot!"

Als ich diese Worte vernahm, stieg es heiß in mir empor. Nein", sagte ich mir, ich will leben. Ich will durchhalten.-- Jetzt sterben?-- Nein!-- Das hätte ich vor Jahren schon haben können. Warum habe ich dann erst alle diese entsetzlichen Qualen überstanden und mit Geduld ertragen?"

Einige Minuten später erblickte ich mich in einem Fenster. Ich erschrak. Wie ein abgezehrter Mann von 60 Jahren sah ich aus. Die hervortretenden Backenknochen, die langen Haare im Gesicht, ich sah zum Fürchten aus. Aber nicht nur mir ging es so. Die anderen Kameraden schaufen nicht anders aus. Wir mußten trotz allem Entsetzen leise lächeln.-- Waren wir Banditen, Räuber?--

"

Alsdann mußten wir zur Eintragung in das Goldene Lagerbuch" antreten. Jeder gab seinen Namen und seine Personalien an. Dafür wurde ihm eine Nummer zugewiesen. Ich erhielt die Nr. 118 021.-- 118 020 Vor­gänger hatte ich also. Eine ungeheure Anzahl Menschen.-- Das war eine Armee.

Dann wurden wir blockweise zusammengestellt. Ich fror in meinen dünnen Turnschuhen, in denen ich über eine Stunde im tiefen Schnee stehen und warten mußte.

Und als noch eine weitere Stunde vergangen war, da führte man uns an Holzbaracken vorbei, an Steinhäusern vorüber,-- durch das Große Lager" nach dem Kleinen Lager".

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