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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Wir aber hatten einen Namen. Er wurde ausgelöscht.-- Wir wurden geschlagen, getreten, gepeinigt, gequält und mußten schweigen. Ein Hund gibt durch Knurren, ein Pferd durch Wiehern, eine Kuh durch Blöken, und andere Tiere mit ihren Lauten,-- seinen und ihren Unwillen kund. Die Augen der Tiere flammen auf, wenn sie Gefahr erkennen. Die Tiere widersetzen sich und machen sich angriffs- und abwehrbereit.

Und wir? Wir konnten nichts fun!-- Jedes Worf der Entgegnung, der Verteidigung, zur Wahrung der menschlichen Ehre, jedes Händezucken, Aufflammen der Augen, alles war Sabotage. -- Und wer sabotierte, der--! Also, liebe Leser, sowohl ich Sie verstehe, so verstehen Sie auch uns. Wenn alles im menschlichen Innern erstickt ist, jede Regung, jede Freude, jeder Schmerz, wenn man gegen jedes menschliche Gewissen zum Un­wert" degradiert wird, zu etwas, was der Welt nur lästig und übel ist, wenn man sich selbst überflüssig fühlt,-- dann wird man ein seelenloses lebendes Wesen, das nur eines kennt, wozu es seine Organe treiben, den Hunger".

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Wenn die Mittagszeit herangekommen war, dann läutete ein Klingel­werk. Und dann stürmten die Häftlinge aus allen Ecken, von allen Arbeits­plätzen zu ihren Blocks zurück. Jeder rannte, als ginge es um sein Leben. Einmal darum, weil die Suppe, so meinte ein Teil der Häftlinge, oben am kräftigsten sei, denn Fett" schwimmt oben, und weil sie schnell erkaltete. Andere Häftlinge aber rannten wohl schnell zu ihrem Block zurück, um von der Arbeit wegzukommen, beeilten sich aber nicht allzusehr mit dem Essen­empfang, weil sie behaupteten, die Suppe sei unten im Kessel am dicksten und sie würden mit dieser Suppe hin und wieder noch zu einem Stück Fleisch" kommen.-- Wer war der Klügere?

Auf jeden Fall stand eines fest, daß sich der größte Teil der Häftlinge nach der dicken" Suppe drängte. Natürlich fand die Essenausgabe unter der SS. - Kontrolle statt. Nach dem Empfang der Suppe erhielten wir Häff­linge die Nachtisch zulage", einen Peitschenhieb über den Kopf. Der Kampf um das Essen, um den Teller Suppe, war jedenfalls schrecklich. Der Hunger machte auch die ruhigsten Menschen zu gefährlichen Bestien. Und ich muß es ehrlich eingestehen, der General Hunger" trieb schauer­liche Orgien. Man mußte sich häufig seiner Leidensgenossen schämen, wie sehr sie jedes kleinste Anstandsgefühl verloren und sich gegenseitig dräng­ten, schubsten oder schlugen, nur um nach beendeter Essenausgabe nach dem leeren Kessel zu kommen und diesen mit auslecken" zu können.

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Die SS. - Bestien standen dabei und lachten. Es war vielmehr zum Weinen. Aber, was sollte man machen? Hiergegen war nichts zu tun. Das Tier in uns hatte vom Menschen" Besitz ergriffen. Die Gruppe Häftlinge, die den leeren" Kessel erwischte, erobert hatte,-- die sich trotz der Schläge der SS. durchgesetzt hatte, trug den Kessel zum Abort.-- Und dort wurde der Sessel ausgeschleckt".

War der letzte Löffel der Mittags- Wassersuppe zum Munde geführt, dann sprach man schon vom Abendbrot. Und am Abend begann der gleiche Kampf. Wer erhält das größte Brot?-- Die Augen luxten nach den Händen der Essenausgeber.-- Drängen, Schubsen, Schlagen.-- Off wurden größere Stücke Brot auf den Tisch gelegt, dann warteten" die Häftlinge, bis--. Kaum hatten die Verteiler nach diesen" größeren" Stücken gegriffen, erneutes Schubsen, Schlagen unter sich.-- Und dazwischen klatschten voller Freude die Peitschenhiebe der SS. hernieder. Alles geschah aus Angst,-- zu verhungern. Nicht arbeitsunfähig" zu werden.-- Nein, lieber leben und arbeiten.

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