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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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schneller, als der Häftling dachte, heranrückte. So lebten auch diese Häft­linge in ständiger Gefahr, beim nächstmaligen Eintreffen des Viehwagens wie Vieh verladen zu werden.-- Arm- und Beinbrüche und andere Wun­den, die einen längeren Heilungsprozeß erfordeten, bedeuteten stets den Tod für den Häftling. Wenn durch diese Qualen immer wieder Häftlinge in den erlösenden Starkstromdraht getrieben wurden, dann sagte der Herr Lagerführer mit freundlich lächelnden Augen und süß klingenden Worten: Warum geht Ihr immer wieder an den Draht? Wir wollen ja gar nichts von Euch. Ihr wift doch, daß wir in Auschwitz ein gutes Krankenhaus haben und daf Ihr dort geheilt werdet."

In seinen Worten war aber eine ganz andere Absicht verborgen. Je mehr Menschen im Lager starben, oder sich selbst mordeten, umso weniger konnte der Herr Lagerführer zur Vergasung schicken. Er erfüllte alsdann das vor­geschriebene Pensum nicht und ihm gingen damit allerlei Vergünstigungen verloren.

Es war im Monat Oktober 1943. Die Sirenen heulten und mahnten uns, dafs eine Explosion stattgefunden hatte. Die SS. - Bestien erinnerten uns daran, daß in diesen Augenblicken viele unserer besten Kameraden dem Tod und dem Verderben ausgesetzt seien. Die Frauen und Angehörigen der Zivilgrubenarbeiter rannten nach der Grube, um zu sehen und zu hören, was passiert sei. Ob sich auch ihre Angehörigen in Todesgefahr befänden. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, da kamen die Rettungszüge mit Toten und Schwerverletzten aus der Grube angefahren. Schon wenige Minuten nach der Explosion waren die ersten Toten geborgen und ans Tageslicht befördert. Vier Stunden lang fuhr das Sanitätsauto hin und her, um leicht­oder schwerverletzte Häftlinge in das Lager zurückzubringen. Einfach ent­setzlich war der Anblick der Verletzten. Schwarz vom Kohlenstaub und viele Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. An Händen und Beinen hingen die Fleischstücke herab. Leblos lagen viele auf den Bahren und noch nicht einmal die eintätowierten Häftlingsnummern waren zu erkennen. Die Schmer­zensrufe und das Stöhnen waren schrecklich anzuhören.

Es stellte sich dann später heraus, daß die Explosion durch Unvorsichtig­keit eines Schießmeisters verursacht war. Dieser hatte trotz Verbots, da Gas in diesem Stollen war und seine Benzinlampe die Gefahr angekündigt hatte, geschossen. Die Funken hatten im Nu eine Stichflamme von einer Länge von 150 Meter hervorgerufen, die vielen Zivilisten und zwanzig Häftlingen das Leben nahm.

Als alle Häftlinge geborgen waren, kam der Herr Direktor, drückte jedem der Verwundeten die Hand, soweit sie bei Besinnung waren und versprach ihnen, nach ihrer Genesung leichte Arbeit in der Grube zu geben. Dabei verga er ganz, daß er erst einige Tage vorher gesagt hatte, in der Grube gäbe es nur schwere Arbeit.

Kaum hatte der Direktor, der ja selbst ein Nazi und über die Vorkomm­nisse im Lager genauestens informiert war, das Lager verlassen, da erschien auch schon ein Auto, um die Verunglückten in ein Hospital" zu über­führen. Ausdrücklich wurde dabei gesagt, sie kämen nicht nach Auschwitz . Nach acht Tagen aber erzählten uns Neuankömmlinge, daß sie gesehen hätten, wie Häftlinge an Händen und Gesichtern schwarz, in die Gaskam­mern transportiert worden seien. Man log also und schwindelte das Blaue vom Himmel herunter, und man schämte sich nicht darüber.

Ich möchte in diesem Kapitel noch etwas anderes erzählen. Zu Direktions­beamten, die die Kontrolle in der Grube ausführten, hatten sich Häftlinge einmal geäußert, daß man die verletzten Menschen nach Auschwitz zur

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