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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Grubenhäftlinge ziehen ins Lager zurück

Nachtschicht

Unsere schönen blau- weißen Anzüge, sie waren einmal sauber. Kalt war die Luft, die wir einatmeten. Und wir empfanden jetzt den gewaltigen Un­terschied umsomehr. Wir glaubten, da wir auf der Straße marschierten, wo viele Zivilisten gingen, die SS. würde uns in Ruhe lassen. Aber wir hatten uns getäuscht. Es ging auch hier, wie es uns alle Tage ergangen war. Man brüllte uns an, man stieß uns, man schlug uns, wir sollten aufrecht gehen, wir sollten in gerader Linie gehen, ein Befehl überholte den andern. Und unter den Augen der Zivilbevölkerung schlug die SS. - Wachmannschaft, diese Bestien, zwischen uns hinein. Gewehrkolben rasselten auf unsere Köpfe hernieder. Aber während dieser bestialischen Tätigkeit der SS. mußten wir singen, laut singen.

Wir waren müde und abgespannt. Uns war alles egal. Nur ein Gedanke leitete uns, schlafen... schlafen. Endlich kamen wir im Lager an. Vor dem Einmarsch ins Lager mußten wir die Mützen abnehmen. Dann holten wir Seife und Handtuch und rannten ins Bad. Aber auch dort standen wir unter dem Schutz der Capos" und der SS.- Bestien". Schlagend trieb man uns ins Bad hinein und schlagend holte man uns aus dem Bad heraus. Nach dem Baden mußten wir uns vor unseren SS.- Beglückern aufstellen. Wir wurden besichtigt, ob wir sauber seien. Zwei Minuten hatte jeder Zeit gehabt zum Baden und dabei waren wir hin- und hergetrieben worden. So war es selbstverständlich, daß wir uns in dieser kurzen Zeit nicht ordentlich ge­säubert haben konnten. So war auch dieses ein Grund, uns erneuten sadisti­schen Quälereien auszusetzen. Bis zu zwei Stunden mußten wir nackt auf dem Appellplatz stehen. Dann zählten die SS. - Banditen schnell hinterein­ander von eins bis fünfzig. Wir aber sollten in dieser Zeit fix und fertig an­gezogen sein.

Inzwischen hatten unsere SS. - ,, Freunde" selbstverständlich unsere Anzüge und die Schuhe durcheinander geworfen. Bevor wir also unsere Schuhe und unsere Anzüge hatten, hatten die SS. - Banditen mehrmals bis 50 gezählt und schon gab es wieder Schläge.

Ein schriller Pfiff." Appell". Drohungen und Strafmaßnahmen am laufen­den Band. Der Herr Lagerführer hielt eine Rede, aus welcher ich einige Sätze zum besten gebe." Ich lasse Euch den Magen auspumpen, Ihr Schweine, wenn ich höre, daß Ihr von den Zivilisten Essen angenommen habt. Ihr habt genug zu essen, viel mehr wie die Zivilisten." Dann sah er seine Capos an, die ihm sicherlich schon einige Meldungen erstattet hatten, trat auf einige Häftlinge zu und beschuldigte sie, in der Grube geschlafen zu haben. Als die Häftlinge" nein" antworteten, was gestattet war zu sagen, brüllte er sie an: Sie lügen!" Und schon knallte es auf die armen Opfer, die er wahllos aus unseren Reihen heraustreten ließ, herab. Ein Laufschritt, unterbrochen von mehreren Auf und Nieder, rund um den Appellplatz herum, beendete den Appell.

Wir erhielten Essen, und dann krochen wir unter unsere RHG.- Decken und hofften, bis zum abendlichen Abmarsch schlafen zu können...

Wir hatten fest geschlafen. Stunden waren inzwischen vergangen. Aber wir wußten nicht, wie spät es war. Da erschallten mit einem Male laute Schreie. Wir vernahmen ein heftiges Gepolter. Rufe ertönten. Schnell spran­gen wir auf. Zu Fünfen mußten wir uns in einer Reihe vor unserem Block

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