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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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warfen es in den Papierkorb, wir sollten es uns dort herausnehmen. Aber wir taten es nicht, wir hatten Furcht vor einer geheimen Kontrolle.

Als wir eine kurze Weile gestanden und uns umgeschaut hatten, kam mit einem Male ein junger, dicker Mann auf uns zu, der ein richtiges Verbrecher­gesicht hatte. Er sagte zu uns: Ich bin der Chef unter Tage und Sie haben mich, Fahrsteiger' zu nennen. Und wenn Ihr das nicht macht, und mich, wenn Ihr mich seht, nicht mit, Glück auf' begrüßt, so schlage ich Euch den Schädel ein."

Er leuchtete jedem einzelnen mit dem Scheinwerfer ins Gesicht und sagte abschließend:" Und nun sage ich Euch noch, laft Euch nicht mit den Polen ein, denn das sind alles Verbrecher. Zeigt den Polen , daß Ihr besser ar­beiten könnt als sie."

Während dieser Worte war ein älterer Pole zu uns herangetreten, der eine Benzinlampe trug. Nun packte der Fahrsteiger uns einzein im Genick und suchte nach seinem Wunsch Arbeitskräfte heraus. Auch diesmal hatten meine beiden Freunde und ich das Glück, zu ein und derselben Rotte be­stellt zu werden. Wir waren sechs Häftlinge. Der angekommene polnische Bergarbeiter musterte uns und ging dann mit uns davon. Dieser Pole war ein Reviersteiger". Kaum waren wir den Blicken des Fahrsteigers ent­schwunden, so begann der Zivilist mit uns zu sprechen. Lange dunkie Wege zogen wir dahin. Der Zivilist erzählte uns von den Barbareien der SS. in Polen und sagte uns ferner, daß jeder polnische Rottenführer oder Revier­steiger den Befehl bekommen hätte, sofort jeden einzelnen von uns zu mel­den, wenn er unter dem vorgeschriebenen Arbeitsquantum verbleibe.

Zwanzig Minuten waren wir bereits hintereinander durch die dunklen Gänge gegangen. Es ging hinauf und hinunter. Immer niederer und schmäler wurden die Wege. Ort stolperten wir. Wir mußten uns erst einmal an diese Finsternis gewöhnen. Gebückten Körpers und mit der schweren Lampe in der Hand, liefen wir dem Steiger nach. Der Rücken schmerzte uns schon jetzt. Bevor wir an unseren eigentlichen Arbeitsplatz kamen, hatten wir schon verschiedene blutende Wunden am Kopf. Nichts als Steine waren zu sehen auf dem Boden und an der Decke, während an den Seitenwänden die Kohle herausschaute.

Schnaubend und schwitzend waren wir endlich nach 45 Minuten in un­serem Arbeitsrevier angekommen. Aus der Ferne sahen wir schon die Lam­pen der Arbeiter aufblitzen. Hier waren die Gänge, in welchen wir arbeiten sollten, nur noch 80 Zentimeter hoch. Diese schmalen, niedrigen Gänge er­schienen uns zunächst als Kinderwinkel. Und wir wurden an unsere Kinder­zeit erinnert, als wir uns Höhlen gebaut hatten und darin auf Knieschonern auf der Erde herumrutschten. Je näher wir kamen, je mehr mußten wir ein­sehen, daß dieses keine Spielgegend war. Es war harter Ernst. Dort arbei­teten die Menschen täglich acht Stunden und holten mit den Schaufeln Kohlen heraus.

Die Kohlenförderung war noch nicht beendet. Die Arbeiter der Nacht­schicht sagen an der Seite und warteten auf ihren Arbeitsbeginn. Zunächst war es unsere Aufgabe, die zweieinhalb Meter langen Rutschen zu verlegen. Wir sahen die Zivilisten in große, dicke Brote beißen. Wir aber mußten zu­schauen und hatten nichts. Keiner sprach zu uns. Das Geratter der Motoren und Rutschen machte uns taub. Einige Zivilisten waren eingeschlafen. Wir aber blieben wach, denn wir lebten in der Hoffnung, vielleicht ein kleines Stückchen Brot zu erben. Wieder einmal war mir dieser Gedanke gekom­men. Mein Hunger hatte sich verstärkt. Da reichte mir ein junger Bursche, indem er sich ängstlich umschaute und mir mit der Hand einen Wink gab,

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