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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Lächelnd, eine Hand in der Tasche, in der anderen Hand eine Zigarette, so standen die beiden Häuptlinge, die Millionen von Menschen auf dem Gewissen haben,-- wahre Verbrechergestalten,-- vor uns.

In Fünfer- Reihen vortreten", brüllte es durch den Lautsprecher. Jetzt begann die Arbeit der Häuptlinge. Sie traten zu uns heran und fragten jeden Einzelnen in rascher Folge:" Wie alt?-- Gesund oder krank?" Alle Leidensgenossen, die ein Gebrechen hatten, oder wirklich krank waren und sich im Glauben, in Behandlung zu kommen, krank" bezeichnet hatten, wurden zu den Alten, auf dem Wiesenboden liegenden Leidens­genossen geschickt, nachdem man ihnen zuvor noch einen Schlag mit der Peitsche über den Kopf gegeben hatte. Die gesund" geantwortet hat­ten, wurden mit kurzem Fingerzeig und einem Trift ins Gesäß nach rechts" geschickt.

Gleich zu Beginn wurde ich gefragt. Gesund", brüllte ich zurück und lief sogleich rechts hinaus. Dennoch erhielt ich einen derart heftigen Tritt in den Hintern, daß ich vier Tage lang nicht imstande war, meine Bedürfnisse zu verrichten. Tretend, schlagend und brüllend stellte man uns wieder zu Fünfen" auf.

Darnach kamen die Frauen an die Reihe. Die unter 18 Jahre und über 50 Jahre alten Frauen mußten rechts" heraustreten und wurden gleich auf einen bereitstehenden Lastwagen verladen. Selbstverständlich unter ent­sprechender Belebung der SS.

In diesem neu entstandenen Rummel erblickte ich plötzlich, als sei mir ein schützender Engel erschienen, fünf Meter von mir entfernt,-- im Lichte des Scheinwerfers,-- meine Mutter. Die Beschützerin meines Lebens. Mit anderen Frauen ging sie Arm in Arm, hocherhobenen Hauptes, an mir vor­über. Beim Besteigen des Wagens hatte sie mich erblickt. Sogleich hob sie ihren Arm und mit geballter Faust, die sie unter das Kinn hielt, rief sie: Rolf, Kopf hoch!"-- Unter Tränen, die mir aufstiegen, meine Mutter so schutzlos der Roheit überliefert zu sehen, mußte ich lächeln.--

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Kennt Ihr ein solches Lächeln, ein Lächeln im Schmerz?

Ja, liebe Mutter", flüsterte ich, Kopf hoch!" Dann verschwand sie im Gewühl der auf den Wagen geworfenen Frauen.-- Und trotz aller Weh­mut war ich glücklich. Ich hatte meine Mutter noch einmal gesehen. Es war mir ein gutes Zeichen, als wollte mir der Himmel sagen: Behalte Mut". In diesen fürchterlichen Minuten, die über Tod und Leben entschieden, war sie ein Bote des Glücks im tiefsten Elend. Und ihre Worte wurden mein Ge­löbnis. Rolf, Kopf hoch!"-- Ja, komme, was kommen mag,-- Kopf hoch!" Als ich diese Zeilen schrieb, waren es gerade drei Jahre her, daß ich von meiner Mutter getrennt wurde. Nicht ahnend, was uns bevorstand. Aber ich sehe sie noch heute vor mir, ich sehe ihre Lippen, das schmerzerfüllte Lächeln, das plötzlich aufstrahlende Auge. Und ich höre ihre Worte, die mir Gelöbnis wurden.

Die Wagen mit den Frauen fuhren ab.

Die Besichtigung", oder besser gesagt Taxierung", ging weiter. Bei den Frauen hatte man nicht so genau geschauf und taxiert. Ganz egal, ob ge­sund oder krank, waren sie später auf leerstehende Wagen gedrängt. Wir wurden noch einmal gezählt.

" Mützen ab!", ertönte ein neuer Befehl. Es war, als ob jedes Wort ver­hallend durch die schwere nach verbrannten Knochen riechende Luft walle. Und nochmals wurden die gesunden Männer und die noch ganz ge­sunden" Frauen, die zurückgeblieben waren, gezählt. Den beiden Häupt­lingen wurde abermals Meldung erstattet: Herr Hauptstandartenführer, ich

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