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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Der Zug fuhr weiter. Wir waren alle nervös. Der Gestank. Wir schimpften. Es war furchtbar. Starb ein Stück Vieh auf dem Transport, so wurde es hinausgetan. Wir aber waren ja Menschen!" Waren wir es denn? Die beiden toten Frauen um uns herum.-- Sie waren vor Schwäche für immer eingeschlafen.--

Je mehr wir uns dem Osten näherten, desto kälter wurde die Luft,-- die wenige Luft, die durch die winzigen Luffklappen hereindrang. Es war ein steter Kampf um diese Plätze an den Klappen. Wir sogen die kalte Luft ein, wir füllten uns voll. Wir lebten von Sauerstoff und Kohlensäure. Die Räder aber rollten. Sie rollten für den Untergang und führten uns dem Untergang entgegen.

Am vierten Tage hatten wir weitere sechs Tote zu beklagen, zwei davon hatten einen Herzschlag erlitten, drei andere Leidensgenossen, Asthma­leidende, waren im wahrsten Sinne des Wortes erstick t", ein junger Mann hatte heftige Schmerzen am Blinddarm bekommen. Und auch er war nach einer Stunde unter fürchterlichen Qualen verschieden.

Glaubt Ihr mir denn, liebe Leser?-- Klingt es nicht wie ein Greuelroman? Klingen meine Worte nicht unglaublich?--

Und doch ist es nur die reine Wahrheit! Ach, wenn ich alles so schreiben wollte, wie ich es erlebt habe, wie es meine Leidensgenossen erlebt hatten, es würde ein Roman in vielen Fortsetzungen werden.

Acht Tote saken zwischen uns Lebenden. Stumm und starr, stierten uns mit vorwurfsvollen Blicken an,-- und hielten die Lippen geschlossen.

Wir entschlossen uns, die Toten aufeinanderzustapeln. Wir machten einen Teil des Wagens dafür frei. Die Verrückte schrie und schlug unaufhörlich dazwischen. So sahen wir uns gezwungen, sie an Händen und Füßen zu fesseln.

Langsam nur schwanden die Stunden. Die Nächte aber wollten überhaupt kein Ende nehmen. Der fünfte Tag unserer Vernichtungsfahrt war heran­gekommen. An den Bahnhofsschildern lasen wir polnische Namen. Also be­fanden wir uns auf polnischem Boden. Der Zug hielt jetzt oft bis zu zwei Stunden. Schrecklich war das Warten. Die Stunden verstrichen wie Tage.- Es war gegen zehn Uhr abends. Die meisten Wageninsassen waren vor Erschöpfung eingeschlafen. Auch ich. Da wurde ich plötzlich von einem Schrei wach:" Ich glaube, da drüben ist das Lager!" Im Nu war ich auf, ich schaute durch das Guckloch und rief: Ja, das ist das Lager!"

Der Himmel war hell von Scheinwerfern. Außerdem erstrahlten viele Lam­pen, die an weißen Betonstangen angebracht waren. Und darunter verkün­dete silbern glitzernd der Stacheldraht die Grenze des Lagers. Ich empfahl meinen Leidensgenossen, alles zum Aussteigen fertig zu machen, und,-- wenn sich die Waggontüren öffneten, sofort hinauszuspringen. Ich hatte meine Erfahrungen. Ich wußte Bescheid von Dachau her.

Und, wie ich gedacht!-- Kurz darauf verringerte der Zug sein Tempo. Schon wurden die Plomben an den Türen entfernt.-- Der Zug hielt. Ein schriller Pfiff hallte durch die Nacht.

Die Türen wurden aufgerissen.

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