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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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mehrere Leidensgenossen. Unsere einzige Hilfe bestand in tröstenden Wor­ten, in ermunterndem Zuspruch.

Seit zwei Tagen waren wir schon unterwegs. Niemand kümmerte sich um uns. Wir erhielten kein Wasser und keine Verpflegung. Und unsere ge­ringe Reiseverpflegung war schon längst dahin.

In Frankfurt am Main war es. Der Zug hielt. In einer Entfernung von einem Meter von uns stand ein Brunnen. Ich stand an der Luftklappe. Ein älterer SS.- Bewachungsmann ging vorüber. Da bat ich, ob er mir nicht ein wenig Wasser geben wolle, für die Kranken, und auch für uns. Was aber fat er? Er brüllte mich an:" Geh zurück, Du Sauhund, oder ich schieße! Verreckt ohne Wasser, das ist gescheiter!" Wie ein Wahnsinniger gebärdete sich der SS.- Bandit dabei.

Mehrere Frauen und Männer versuchten, mich zurückzuziehen. Sie waren ängstlich. Ich aber war von diesen Worten gar nicht betroffen, denn ich kannte die Herren" ja.-- Die Herrenmenschen",- wenn sie mit Ge­wehr und Revolver, mit Gummiknüppel und Dolch ausgerüstet waren. Der Zug fuhr weiter in Richtung Osten". Wir redeten von Polen , als wäre uns allen Polen gut bekannt. Die Luft wurde immer schlechter. Das Fürchterliche an dieser Fahrt aber war die Verrichtung menschlicher Bedürfnisse. Hieran denke ich immer mit Ekel zurück. Wir mußten jede Scham fallen lassen,-- eine solche Empfindung" konnten wir uns nicht mehr leisten. Was konnten wir, was" mutten" wir tun?- Wir mußten den Kübel, in dem sich unser Trinkwasser befunden hatte, als Abort be­nützen und mußten ihn in die Mitte des Wagens stellen, damit er von je­dem erreichbar war.

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Ich schreibe diese Zeilen voll Abscheu und Ekel. Aber, ich muß sie schrei-. ben. Sie müssen der Nachwelt als die Kultur der Nazis" erhalten bleiben. Es ist wirklich nicht Sadismus zur Schweinerei, was mich zum Schrei­ben dieser Zeilen zwingt. Es ist nicht nur ein Wille,-- Gerechtigkeit zu fordern.

Wir konnten den Kübel aber auch nicht ausleeren.

Als dann jedoch der Gestank immer entsetzlicher wurde, da nahmen wir ein Kochgeschirr, das ein Leidensgenosse zur Verfügung gestellt hatte,-- leerten den Kübel wohl in der Annahme, er bedürfe seiner nicht mehr,- und dann das Kochgeschirr durch die schmalen Luftklappen. Es geschah off genug, daß der Wind den Inhalt wieder zurück warf.

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Die Zustände wurden immer schrecklicher, immer himmelschreiender, wäh­nach Osten! rend unser Zug unaufhaltsam vorwärts rollte, Schon befanden sich zwei Tote unter uns. Wir mußten sie sitzen lassen, wie sie gestorben waren. Zum Ausstrecken der Leichen war kein Platz vor­handen. Eine alte Frau war irrsinnig geworden. Die machte das Elend noch größer. Sie setzte sich auf den Abort- Kübel", holte den Kot heraus und beschmierte sich damit Gesicht und Kleider. Wir aber hatten kein Wasser, sie zu waschen.

Drei Tage dauerte die Fahrt bereits. Der Zug hielt. Es war in der Gegend von Leipzig . Ein jüngerer SS.- Held ging an unserem Wagen vorbei. Es war ein Unterscharführer. Ihm sagte ich, daß wir zwei Tote und eine Ver­rückte im Wagen hätten, und ich bat ihn, den Wagen zu öffnen. Höhnisch lächelnd erwiderte er mir: Eine Verrückte?-- Schlagt sie doch tot!-- Und wegen zwei Leichen mache ich den Wagen nicht auf. Wenn einmal die Hälfte von Euch tot ist, dann läßt sich darüber sprechen!"

Was sollten wir dazu sagen?-- Sollten?-- Durften wir überhaupt etwas sagen?

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