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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Waggons verschlossen und versiegelt. Wir waren eingesperrt. Auf Gedeih und Verderb waren wir uns überlassen.

In dem Wagen, in dem ich mich befand, waren 25 junge Männer und 24 alte Frauen untergebracht. Ferner war ein 22 jähriges Mädchen mit hineingeschlüpft.-- Aus Versehen hineingestoken. Und dann ging der Vieh"-Transport ab.

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Dichtgedrängt standen wir nebeneinander. Wir konnten uns nicht rühren. Ein Auge starrte in des anderen Auge. Unsere Gesichter trugen den Aus­druck von Geistesgestörten. Wenn der Zug sein Tempo verringerte oder beschleunigte, oder wenn wir durch Kurven fuhren, wurden wir hin- und hergeworfen. Wir nahmen alles gleichgültig hin

Es ist doch merkwürdig, wie wir Menschen uns ändern können.

Eben noch waren wir aufgeregt, ja verzweifelt, und jetzt waren wir apathisch. Lief uns etwa der Viehwagen jedes Gefühl vergessen? Hatten wir unseren Verstand verloren? Schaufen wir nur noch instinktmäßig in die Augen unseres Gegenübers? War es nur das Tastgefühl, das uns die Be­rührung empfinden lief?

Mitten in die geisterhafte Stille hinein, durch das Dunkel,-- nur unter­brochen durch das gleichmäßige Rattern des Zuges und durch gelegentliche Lichtstrahlen,-- ertönte mit einem Male die Stimme einer alten Frau: Leben wir noch, oder sind wir schon tot?"

Es erfolgte keine Antwort. Es war, als ob wir wirklich tot waren, als wenn wir es nur noch nicht wüßten!

Eine andere Stimme fragte leise:" Ist das die Humanität Deutschlands , das im Namen der Kultur die Welt erobern will?" Die Töne schwangen noch, da erfaßte mich plötzlich der ganze Jammer,-- als sei der Jammer der Leidensgenossen in mir allein vereint ,. da brüllte ich als Antwort:

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Das ist das wahre Gesicht Hitler- Deutschlands !"-- War ich es wirklich, der diese Worte gebrüllt hatte?-- Ich blickte mich um, soweit ich das überhaupt vermochte. Es mußte wohl so sein, denn die Menschen nickten mir zu,-- unmerklich, sie schlossen zustimmend die Augenlider. Und darauf wollte ich sagen: Das dürft Ihr nicht tun. Ihr müßt mir nicht zustimmen. Ihr ver­ratet Euch ja!"-- Das Lager Dachau stand vor meinen Augen, ich stand in Reih und Glied. Ich sah die mißhandelten Kameraden,-- die,-- weil sie durch eine kleine Bewegung ihren Abscheu verraten hatten. Ich wollte es sagen, aber ich schwieg! Ich hielt es für besser. Es konnte doch sein, daf­

Aber durch meine Worte war eine Bewegung entstanden! Wir wußten, dah wir noch lebten. Und damit setzte unser Denken wieder ein. Wir stapelten unser Gepäck. Wir setzten uns darauf. So gewannen wir Platz. Auf einer Seite des Wagens befanden sich nun die Frauen und auf der anderen Seite die Männer. Vielleicht währte die Fahrt mehrere Tage. Da hief es" haushalten" mit den uns noch verbliebenen Kräften.

Durch die immer schlechter gewordene Luft bekam eine Frau Herzanfälle. Ich erkannte in ihr eine Frau aus meiner Heimatstadt.-- Konnte ich denn noch von einer Heimat sprechen?-- Helfen konnten wir der Frau nicht, denn uns standen weder Arzneimittel zur Verfügung, noch konnten wir mit dem Wasser verschwenderisch umgehen. Nach und nach erkrankten noch

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