Druckschrift 
Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
Seite
67
Einzelbild herunterladen

eine Mutter

ge mich bis Hoffnung!--

mit mir!--

und sah uns He Hoffnung ngte seinen amit sie mit

ei Brote für ich meinen m Kollegen. men zu blei­hatte jeder en Bohnen er die Schul­eine Augen rdenwinkels.

Vassertürme, weit zurück. ckt, war sie

g ich in die fgesuch ab­eh ums Herz. eid, daß ich h hatte wohl rbergen, und icht war ich. nt, wie mich sein. Es ist

erufen. Dort ion" meine ußte ich fort. Händnis rech­

ern, sondern en teuflischer

lick, wo viel­

. Als ich zu

Antwort des ge, wie wir

doch zusammen bleiben könnten. Unterwegs waren mir die Gedanken ge­kommen, mich unter den Brettern der Baracke oder in einem Abortkübel zu verstecken. Ich war äußerlich ruhig und doch tobte in mir alles. War ich eben von dem Gelingen meines Planes überzeugt, so hatten mich im näch­sten Augenblick schon wieder andere Gedanken erfaßt.-- Und auch diese zerstoben wieder wie Seifenblasen. So sah ich mit meiner Mutter zusammen. Sie schwieg, und ich sprach. Ich redete in einem fort.

Sollte ich fliehen?-- Unmöglich!

Verstecken? Wo?-- Es gab kein Versteck, wo man nicht schon andere Leidensgenossen gesucht hatte!-- Wir konnten zu keiner Entscheidung kommen. Unter einem kleinen Tisch hindurch, an dem wir sagen, drückten wir uns die Hände. Wir waren verkettet! Ich war ruhig und ergeben,-- und doch wieder voller Unruhe!-- Alles unmöglich,-- alles vergeblich.

Vor der Baracke hupte ein Auto. Es war der Lastkraftwagen, der unser Gepäck aufnehmen sollte. Ich ging schnell hinaus und gab meine Koffer ab. Auf dem Wagen befand sich wieder der Mann, der mir lange Zeit Essen geliefert hatte. Ergriffen gab er mir die Hand und sagte, als ich wortlos vor ihm stand und nur zu ihm aufschaute,-- als ob er mich auch ohne Worte verstanden hätte: Fliehen hat keinen Zweck. Die Bewachung ist zu scharf. Man hat auch schon damit begonnen, die Ausländer, die noch frei waren, zu verhaffen. Wegen Ihrer Mutter seien Sie ohne Sorge. Sie kommt in ein anderes französisches Lager."

Das Auto rückte an und fuhr weiter. Schnell reichte er mir noch ein Stück Brot, sein Vesperbrot, und rief mir viel Glück und Mut" zu. Ich winkte dem Manne noch. Das Auto aber bahnte sich langsam seinen Weg. Durch die auf der Lagerstraße hin- und herflutende Menge.

Als ich in die Baracke zurück kam, lag meine Mutter ohnmächtig am Bo­den. Unweit von ihrem Bett entfernt. Zwischen alten Papieren und weg­geworfenen, schmutzigen Kleidern. Ich war allein mit ihr.

Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf.

Sicher wollte sie mich zurückhalten. Ich war ja ihr Junge. Zunächst war ich wie vom Schlage getroffen.

Dann aber stürzte ich nach Wasser. Inzwischen waren auch einige Barak­keninsassen zurückgekommen. Sie halfen mir, meine Mutter wieder zum Bewußtsein zu bringen. Ganz langsam begann sie zu atmen, die Augen aufzuschlagen. Wie verklärt schaute sie uns an, die Leidensgenossen und mich. Als meine Mutter einigermaßen zu sich gekommen war, hoben wir sie auf ihr Bett. Ich streichelte und beruhigte sie. Sprich nicht, liebe Mutter!" " Ganz ruhig, Mutter!"

Dann aber sagte sie doch zu mir: Ich war immer tapfer. Viel hatte ich über mich ergehen lassen. Aber einmal wird es doch zu viel sein."

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war 5 Uhr und 5 Minuten. Die Stunde des Abschieds war gekommen. Ich erhob mich und nahm all meinen Mut zusammen. Zwei Frauen führten meine Mutter bis zum Jlot- Ausgang. Dort umarmten wir uns noch einmal und drückten uns. Worte fanden wir nicht mehr. Tränen rollfen über unsere bleichen Wangen.

Als ich mich von meiner Mutter loslöste, sank sie auf die Erde herab. Knieend erhob sie die Hände und betete.-- Und rings um uns herum spiel­ten sich ähnliche ergreifende Szenen ab.

" Auf Wiedersehen", flüsterte ich leise.

Dann ging ich. Doch ich kam nur schwer vorwärts. Meine Füße und Beine waren so schwer, als ob Zentnerlasten daran hingen.

5°

67