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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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gerne ein Fenster geöffnet. Aber-- steht Erschießen,-- wird erschossen", raunten mir die Räder zu.

Die Zeit vergeht am Tage viel schneller als in der dunklen Nacht. Ob wir für die Landschaft Sinn haben oder nicht, unsere Augen haben am Tage zu tun. Und sei es auch nur, um die schmerzerfüllten Züge unseres Gegen­übers zu betrachten.--

Es war gegen sechs Uhr abends. Wieder hielt der Zug. Die Tür wurde aufgerissen, und ein junger blonder, ungefähr neunzehnjähriger SS.- Held trat herein. Er gab uns brüllend den Befehl: Sofort eine Liste anfertigen mit den Namen aller Insassen des Abteils. Dabei ist anzugeben, wieviel deutsches Geld ein jeder mit sich führt. Wer bei der Kontrolle noch mit deutschem Geld erwischt wird, wird, s fandrechtlich' erschossen!-- Wieder erschossen". Zum ersten Male aber" Standrechtlich".- Also, wenn auch nach Banditenrecht in unserem Falle, so doch aber nicht , ermordet".

Bei dem trüben Bahnhofslicht wurde die Liste angefertigt. Das deutsche Geld wurde dem SS. - Mann ausgehändigt. Der Held" ging und die Tür knallte zu.

Eine halbe Stunde war vergangen, da rif derselbe" Held" die Tür wieder auf und warf das gewechselte Geld, für jeden von uns 2000 französische Francs, in das dunkle Abteil hinein.

Inzwischen war der Mond aufgegangen. Bei seinem Schein suchten wir das Geld zusammen und feilfen. Wir waren vermögen d". Weiter ging es.

Um drei Uhr morgens des nächsten Tages, es war der 20. Oktober 1940, hielt der Zug abermals. Vor einem Bahnhof.-- Diesmal ein anderes Bild. Lichter blitzten auf. Kurze Kommandos hallten durch die Nacht. Nervös sprangen die SS. - Mannschaften um den Zug herum. Auf einen Pfiff wurden alle Türen zur gleichen Zeit aufgerissen. Vor jedem Abteil standen zwei SS.- Posten mit erhobenen Revolvern.

" Kontrolle. Gepäck aufmachen!" brüllte man uns zu. Dann wurde alles durcheinandergeworfen. Sie suchten und suchten, doch fanden sie nichts. Wütend griffen sie in unsere Taschen, aber auch nichts. Meine alte Groß­mutter saf in der Ecke. Sie wurde zuletzt untersucht.

,, Aha, die Alte hat sicher etwas", brüllte einer der bewaffneten Helden. Ruhig erwiderte Großmutter: Nein, ich habe nichts!" Da schlug der eine der Helden die alte Frau mit roher Faust ins Gesicht, daß das Blut aus Mund und Nase flok." Mistsau" sagte er dabei.

Das Blut befriedigte die Helden. Sie verschwanden unter rohen und ge­meinen Schimpfworten. Sie hätten sich gern noch bereichert. Wir befanden uns in großer Erregung. Nur meine liebe Mutter hatte wie stets ihre Ruhe" behalten. Sie war unser guter Geist. Ein fester Blick von ihr oder ein stilles Streicheln unserer Hände machte uns ruhig und hoffend. Mit einem Hemd wischten wir das Blut aus dem Gesicht der alten Frau.

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Und wieder setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Kommandos er­tönten. Weg von den Fenstern!" Drohend lief die SS. - Mannschaft auf den Trittbrettern herum. Sie sprangen ab und liefen eine Strecke neben dem Zuge her. Dann blieben sie mehr und mehr zurück.

Der Zug war in den Bahnhof eingefahren. Es brannte kein Licht. Es war kein Mensch zu sehen. Oede wie ein Friedhof, verlassen standen die Ge­bäude da.

Weiter ging die Fahrt. Nach und nach waren meine anderen Abteil­genossen eingeschlafen. Auch ich wurde müde. Und schlief ein.

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