Ein Schauer überrann mich. Ab und zu leuchteten in der Ferne einzelne Lichter auf, oder wir fuhren rauschend an kleinen Stationen vorbei.
An den Stationsnamen hatten wir festgestellt, daß wir in westlicher Richtung fuhren. Wir fühlten uns erleichtert. Wir waren alle der Meinung, daß wir vom Osten nichts" Gutes" zu erwarten hätten. Diese Ansicht hatte sich so herauskristallisiert, ohne daß wir Bestimmtes wußten. Wir fühlten uns aber erleichtert.
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Rmtata, rmtata,-- rmtata!"
Der Zug fuhr langsamer. Die Rädermusik hatte sich verändert. rmtata." Rmtata,---- rmtata,
Wir waren am Rhein. Ganz langsam fuhr der Zug über die feilweise zerstörte und deshalb gefährdete Brücke. Unter uns schillerte silbern das Wasser. Trotz der Dunkelheit konnten wir das am Ufer anschlagende, in helle Spritzer zerstäubende Wasser erkennen.
In weiter Ferne zuckten Lichter auf und verlöschten.
Die SS. war ausgestiegen und lief neben dem Zuge über die festen Bohlen. Einzelne SS.- Leute standen auf den Trittbrettern und schauten in die Fenster.--
Dann lag die Brücke hinter uns. Die SS. war wieder eingestiegen. Es schaute niemand mehr ins Fenster hinein. Der Zug nahm sein altes Tempo wieder auf. Rmtata,-- rmtata,-- rmtata!"
Und in diesem Einerlei verrauschten unsere Gedanken. Schwer waren unsere Herzen.
Nach drei Stunden.-- Ein kleiner Bahnhof.-- Mit einem Ruck hielt der Zug. Unser Gepäck fiel durcheinander. Die Türen waren aufgerissen und ein Lautsprecher verkündete dumpf und rasselnd:" Wer den Zug verläßt, wird erschossen!,-- Wieder einmal erschossen". Wir hatten ja auch seit einigen Stunden nichts mehr davon gehört. Darauf gingen SS.- Leute mit Waschkörben an unseren Abteilen vorbei, vor jeder Abteiltür griffen sie in die Körbe hinein und warfen uns Brot zu.-- 100 bis 150 Gramm.-- Wahllos und gleich wieviel Menschen in den Abteilen waren.
Die Türen knallten wieder zu. Der größte Teil der Brotrationen war zertreten. Es gab ja kein Licht. Am anderen Morgen, das Tageslicht graute, fanden wir noch vier Rationen, die wir ehrlich teilten. Vielleicht gibt es auf dem nächsten Bahnhof eine Suppe", war der hoffnungsfrohe Gedanke meiner Mutter.
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Ich aber, der ich ja meine Erfahrungen hatte, antwortete nichts, ich wollte den Glauben nicht zerstören, und die Stimmung nicht noch schwerer machen, als sie bereits war.
Unser Essen, für Mutter, Großmutter und mich, reichte noch für zwei Tage. Unentwegt rollte der Zug durch die Landschaft, dem Süden entgegen. Dörfer und Städte zogen an unseren Augen vorüber. Hie und da einige Zivilisten. Auf den Straßen hin und wieder deutsche Militärautos.-- Feld und Wiesen, Busch und Wald.
Wie gerne reisen die Menschen! Wie zieht es uns alle in die Weite, in die Welt! Wie froh wird das Herz dabei!
Wir aber hatten keinen Sinn für Baum und Strauch. Die blühendste Wiese, der schönste Rosenstock,-- sie erschienen uns kahl und grau. Wir saßen aneinandergepreßt, müde, matt und voll von schweren Gedanken. Städtenamen zogen an unseren Augen vorbei. Kolmar, Mülhausen , Besancon!
Es geht in die Berge. Schnaubend schlängelt sich der Zug hinauf. Und an den Bergabhängen herrliche Weiden mit prachtvollem Vieh. Ich hätte
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