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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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zogen, sich ein anderer Mundwinkel bildete, sofort hagelten Schläge auf uns hernieder. Dann wurde uns gesagt, wir hätten den Blockführer aus­gelacht, gegrinst.

Der Bettenbau gab stets zu Strafen Anlaß. Drei Betten standen überein­ander, alle sollten zu gleicher Zeit fertig sein. Die Kissen waren mit blau­weißen Karos versehen. Jede Seite mußte genau 32 Karos aufweisen.-- Wir mußten mit einem Zentimetermal arbeiten.

Und immer Schläge und nochmals Schläge.

Jeder SS.- Mann hatte seine Spezialitäten.-- Wir konnten es niemand recht machen.

Befanden sich im Schrank noch kleine aufgesparte Essenreste, so rief die eine SS.- Bestie:" Ihr Säue, habt Ihr keinen Hunger? Freht das sofort auf." Nach kaum einer halben Stunde fand eine neue Schrankrevision durch eine andere dieser Bestien statt. Dann hieß es: Warum freßt Ihr denn alles auf, Ihr Sauhunde? Habt Ihr an der Lagerverpflegung nicht genug?" Im nächsten Augenblick erschien der Blockkantineneinkäufer und erklärte: Sofort hat jeder von Euch für 3 bis 4 Mark einzukaufen, und wenn Ihr wieder alles auf einmal auffreßt, dann sperre ich die Kantine für vier Wochen!"

So ging es hin und her.-- Wir lebten in ständiger Furcht, etwas zu tun, was gegen die Anordnungen verstoßen hätte.-- Immer wieder Schuhe­putzen, Bettenbauen. Bis in die Nacht hinein. Und auch dann ließ man uns keine Ruhe. Häufig genug waren, wenn wir am späten Abend in den Schlafraum gingen, alle Betten durcheinandergeworfen, die Strohsäcke auf­gerissen und das Stroh auf dem Boden verstreut. Dann ging die Arbeit erneut los.

So wurde die neue Parole an uns erprobt.

Lagerstrafen

Diese Lagerstrafen waren ein besonderes Kapitel in der Geschichte von Dachau . Sie hatten nichts mit den täglichen Quälereien zu tun, sie waren sozusagen Zulagen". Tausende von Häftlingen sind diesen Strafen mit ihrem einzigartigen Sadismus zum Opfer gefallen.

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Die Häftlinge ließen sich nur in den seltesten Fällen wirkliche Vergehen zuschulden kommen. Jeder fügte sich in sein Schicksal und versuchte, alles so gut zu machen, als es nur irgend ging. Jedem waren ja die Strafen für " Vergehen" bekannt! Das wußte die SS. sehr wohl, umsomehr versuchte sie kleine begangene Fehler in große Verbrechen gegen den Staat" oder gegen die SS. aufzubauschen, um uns auf jeden Fall quälen zu können. Was für Verbrechen waren das, wie sahen sie im einzelnen aus? Als größtes Verbrechen galt der Kameradendiebstahl". Stahl z. B. ein Häftling einem anderen in der grenzenlosen Not, in der wir immer lebten, ein Stück Brot, so bedeutete das seinen sofortigen Tod durch unsere Henker. Um den Tatbestand eines weiteren ähnlichen Vergehens und die ihm folgende Bestrafung zu schildern, will ich einen Fall darstellen, der sich mit mir selbst ereignete. Ich putzte einmal allein vor meinem Block" meine Schuhe. Plötzlich stand ein Blockführer hinter mir. Sofort ließ ich die Schuhe fallen, nahm die Mütze ab und stand stramm. Schon zu spät", brüllte er mich an und trat mich in den Bauch." Komm her, Du Schwein, gib mir Deine Nummer!"

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