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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Der Schneesturm hatte inzwischen aufgehört. Auf dem Rückweg vom Appellplatz marschierten wir an der Starkstromleitung vorbei.-- Und dann war das Rätsel gelöst.-- Hier hingen die Fehlenden". Ein Bild wüste­ster Grausamkeit. Es war ihnen gelungen, im Schutze des dichten Schnee­sturmes bis an den hochgeladenen Draht im Zaun heranzukommen. Ein Schlag nur!

Und alles Elend,-- alles Leid, war vorüber. Vorbei waren Qualen, Hohn und Spott. Bevor sie sich von geilen SS. - Bandifen langsam und unter ent­setzlichen Foltern morden ließen, hatten sie es vorgezogen, mutig ihr Leben zu enden.

Stumm marschierten wir vorbei.

Waren wir gefühllos?-- hatten wir schon jedes Gefühl verloren?-- Nein, das nicht! Aber es war doch so, daß uns morgen passieren konnte, was heute anderen Häftlingen geschehen war.

Wir waren allesamt Todeskandidaten! Unser Leben galt nichts mehr. Das wußten wir.- Und doch-- und doch-- wir hofften. Ach, das dumme Herz, das bifchen Leben.

Zwei volle Tage ließ man die Leichen dort liegen. Wir mußten zur Strafe mehrmals daran vorübergehen,-- zur Strafe", denn so sagte der Lagerführer zu uns:" Ihr habt es gut im Lager, niemand braucht sich das Leben zu nehmen. Also, beachtet die Lagerordnung!".

Strafe und warnendes Beispiel. Ungefähr zehn Häftlinge im Alter zwischen 40 und 60 Jahren lagen am Draht, einige davon waren noch kurz vor dem Draht von einer SS.- Scharfschützenkugel erreicht.

Noch schlimmer war es, und das kam off genug vor, wenn ein Häftling nur angeschossen war. Man führte ihn zur Ambulanz, dort wurde er leicht verbunden. Und dann mußte der ganze Block auf dem Appellplatz antreten, um anzuschauen, wie dem Angeschossenen 25 Schläge auf den nackten Hinterteil verabfolgt wurden. Man band den Häftling in einer eigens für solche Strafen angefertigten Maschine fest, sodat er sich nicht mehr rühren konnte. In strammer Haltung mußten wir der Züchtigung des unglücklichen Häftlings beiwohnen. Dabei mußte der Häftling die Hiebe selbst zählen. Da er sich aber wegen der ungeheuren Schmerzen mehrmals verzählte, begann die Prozedur solange von vorn, bis die Fleischfetzen herunterhingen und der Geschlagene bewußtlos war.

Alsdann folgte wieder die bereits mehrmals geschilderte Prozedur,-- ein Eimer mit Wasser,-- zwei Eimer,-- usw. Gelang aber dieser Wieder­besinnungs versuch nicht, blieb der so schwer Mißhandelte ohne Be­sinnung, so war ja das Krematorium da,-- der Verbrennungsofen brauchte Arbeit. Unnütz durften die Kohlen nicht verbrannt werden. Mit den Halb­toten machte man es ebenso. Man verbrannte sie bei lebendigem Leibe. Wem von uns bei diesen Folterqualen, beim Zusehen übel wurde, oder wer die Augen zukniff, um nichts zu sehen, dem ging es ebenso. Auch diese Armen wurden in die Foltermaschine gespannt. Je mehr Opfer vorhanden waren, desto größere Freude herrschte bei diesen blutgierigen Rohlingen. Und so mußten immer wieder Opfer geschaffen" werden.

Am Ende jeder solcher in der ganzen Welt noch niemals dagewesener Martervorstellung sagte der eine SS.- Scharführer zu uns:

,, Keiner hat das Recht, bei dieser Angelegenheit die Augen zuzukneifen. Jeder von Euch soll sehen, wie Eure Kameraden für ihre Verbrechen büßen müssen. Wir wollen Euch nicht töten, das wißt Ihr, aber Strafe muß sein. Hart, aber gerecht!"

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Muß ich diesen Worten noch etwas hinzufügen?

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