Rolf sieht in Gedanken, wie= die Tore der Kerker und
K2.-Läger öffnen werden, wie die Überlebenden jahrelanger Folterungen ihren Befreiern zujubeln. Er sieht andererseits darin Menschen, die nicht mehr fähig zu F reudenkundgebungen sein
werden, weil sie sich vor Schwäche nicht mehr auf den Beinen.
halten können, sieht Massen zusammengeschossener Häftlinge oder Mitwisser der Verbrechen, die im Sturmlauf der Zeit von den Mördern nicht mehr rechtzeitig verbrannt oder begraben werden konnten, sieht Hunderttausende Zeugen aufstehen, die von dieser Schmach, dem„Mythos des 20, Jahrhunderts“ künden werden und gibt sich der Hoffnung hin, daß man nun, nachdem die Menschheit so tief in Grauen und Elend getaucht ist, endlich die Lehre ziehen wird. Er formt im stillen die Forderungen unserer Zeit:
Die Anerkennung fundamentaler Begriffe, wie Menschlichkeit, Sittlichkeit und Logik. Sie sollen den perspektivischen Angel-
punkt bilden, auf dem sich dann die Zusammenschmelzung der Menschheit vollziehen läßt.:
Ohne eine Perspektive können wir nicht denken, formen und schöpferisch sein! Die wichtigsten und faßbaren Begriffe liegen
alle auf dieser Welt und wertvollstes Gebilde kosmischer Schöpfung darauf ist der Mensch. i
Denn Staaten und menschliche Schöpfungen vergehen, der Mensch aber ist ewig— ein Gebilde Gottes!
Darum hat jeder in erster Linie Mensch zu sein, erst dann Vertreter einer Sippe, Rasse, Vereinigung oder F ügung. Die erste menschliche Pflicht ist die Menschlichkeit! Damit haben wir die Würde und die Rechte des Nächsten zu achten.
Aber wir sind in Todesangst darüber, daß sich die Nächsten- liebe zu weit ausdehnen könnte und richten Schranken dagegen auf: Nationalitäten!
Gewiß sind Völker und Rassen aus geographischen Grenzen, Trennungen und Eigenentwicklungen mit Duldung der Vorsehung entstanden. Aber wer sagt denn, daß die Menschheit sich nicht einmal zusammenfinden soll, zumal uns diese Vorsehung als Mittel zur Reife den Geist beschert hat? Der Geist ist das Mittel zur Erhaltung und Herrschaft des Menschen über Welt und Natur!
Wir Menschen stehen zwischen dem Gesetz, welchem Tiere und Pflanzen in ihrer Entwicklung folgen und zwischen dem Geiste, der diese Gesetze bestimmt. Aber nicht einmal das wilde Tier 84
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