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kleinen Nahrungszusatz bekämen. Seinem Wunsche wurde ent- sprochen und so durfte Rolf nach einigen Wochen mit der Außen- abteilung in ein jenseits der Stadt gelegenes Sägewerk marschieren. ‚Gewiß, die Arbeit war schwer, doch gab es pro: Tag insgesamt zwei Brotschnitten und zwei Wurstscheiben Zusatzverpflegung, was bei der mangelnden Kost ungemein viel ausmachte. Und so ( gewann Rolf allmählig eine mäßige Kraft zurück.
Das Bewußtsein, daß bald seine Entlassungszeit kommen 'würde, tat ein übriges. Außerdem gelang es Rolf, durch einige in dem Sägewerk beschäftigte Arbeiterinnen, briefliche Verbindung mit seiner Familie aufzunehmen. Aus München und Lippstadt erhielt er nunmehr regelmäßig Lebensmittelpakete, die an die ‚Arbeiterinnen adressiert wurden. Und diese mitleidigen Seelen brachten Rolf nun jeden Tag die notwendige heimatliche Zusatz- verpflegung mit, so daß er bald wieder auf dem Damm war.
Trotzdem war er fürchterlich heruntergekommen. Als er seinen
Körper einst beim Baden betrachtete, stellte er fest, daß seine.
Schenkel nur die Dicke seines früheren Armes hatten. Sein Gewicht betrug während seiner kritischsten Zeit 87 Pfund.
Wegen guter Führung war es Rolf gestattet worden, eine Zeitung zu halten. Und darin verfolgte er die politischen und militärischen Geschehnisse der Welt. Er liest darin u. a. die kurze Notiz, daß der Jude S. Amerant wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und das Urteil bereits vollstreckt sei. Es erschien Rolf, als wenn der Höhepunkt nationalsozialistischen Aufschwungs bereits über- schritten sei und hörte davon, daß die Gestapo mit noch größerer Schärfe gegen alle„unsicheren Elemente“ im Staate vorginge. Man munkelte, daß politische Häftlinge nach der Entlassung aus den Gefängnissen draußen am Tor durch Gestapobeamten in Empfang genommen würden, um ihnen in den KZ.-Lägern einen weiteren Sicherungsaufenthalt zu geben.
Rolf war in großer Unruhe darüber, fieberte er doch bereits
dem 13. Juli zu, der ihm. die Anstaltstore öffnen würde. Und dann war es soweit. Seine Kleidung war Tage vorher überprüft worden, seine Papiere bereitgelegt und nun wurde er zum ersten Male ‚nach 26 Monaten regelrecht rasiert. Sein Haar wurde sorgfältig geschnitten und dann erhielt er an einem Samstagnachmittag seine Zivilkleidung wieder, wurde mit vielen anderen Glücklichken in eine Abgangs-Sammelzelle geführt, auf deren Boden eine ganze Anzahl Strohsäcke lagen.
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