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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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weil das Fieber ihn schüttelte. Ein böser Husten stellte sich ein, Schwindel und Ohnmachtsanfälle wechselten einander ab und sein Auswurf war blutdurchsetzt.

Er meldete sich dann neuerdings beim Arzt, als er kaum mehr auf den Füßen stehen konnte. Die Fiebermessung zeigte am frühen Morgen bereits rund 40 Grad. Nun endlich bequemte man sich, Berger in die Krankenabteilung aufzunehmen. Befund: Doppelseitige Lungenentzündung. Sanitätskameraden halfen ihm in die Abteilungskleidung und steckten ihn, der vor Frost mit den Zähnen klapperte, ins nächste Bett. Eine Fiebermessung zeigte bald starken Temperaturanstieg, so daß selbst der Arzt herbei­zitiert wurde. Bedenklich zog dieser die Brauen zusammen, war doch das Quecksilber um die Mittagszeit bis an 42 Grad gestiegen. ' Es konnte nur ein Radikalmittel helfen. Fraglich war nur, ob die Konstitution Bergers dies aushalten würde. Er wurde darum befragt und hatte seine Einwilligung schriftlich auf einem Formular zu bescheinigen.

Und dann ging es um das Letzte, um Leben oder Tod.

Unendlich müde und gleichgültig war Rolf ihm wog nach all dem Erlebten und Grauenhaften der Tod nicht schwerer als irgendeine Vokabel, durch die eine irdische Wandlung bezeichnet wird. Die ihm eingegebene Medizin löste einen elementaren Kampf aus, seine zähe Natur rang mit den Kräften der Krankheit Stunde um Stunde, fast eine ganze Nacht dann war das Fieber besiegt, aber der Körper so erschöpft, daß er fast eine Woche lang keine Nahrung mehr aufnahm. Sein an und für sich krankhafter Herz­zustand wurde verschlimmert und jahrelang mußte Rolf als Folge der Lungenentzündung ein Schilddrüsenleiden in Kauf nehmen.

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Monatelang mußte Rolf das Krankenlager benutzen und als er erstmalig das Bett verlassen durfte, da war der Frühling mit seiner ganzen Pracht ins Land gezogen. Rolf tastete sich zum hohen und breiten Fenster, stützte sich auf die Fensterbank und träumte hinaus in die blumigen Weiden, die sich jenseits der Umfassungsmauer der Anstalt hinzogen.

Eine verbesserte Krankenkost half Berger bald wieder auf die Beine. Sobald er jedoch wieder sicher schreiten konnte, mußte er die Krankenabteilung verlassen und seine Arbeit wieder auf­nehmen.

Berger ließ sich dem Anstaltsleiter melden, legte ihm dar, daß er zu schwach sei, schwere körperliche Arbeit zu verrichten und bat darum, daß er in eine jener Abteilungen komme, die einen

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