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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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Auch in dieser Anstalt findet Berger Vertreter der verschie­densten Nationen. Die Gemeinschaftsarbeit macht den Aufenthalt erträglicher, doch die tägliche Qual heißt Hunger und Warten. Die Arbeit erfordert bei dem Schwächezustand der Gefangenen täglich eine ungeheure Willenskraft. Aber man kann sich wenigstens unterhalten, wenn der Beamte verschwindet und stundenlang durch Zentraldienst abgehalten wird, die Aufsicht zu führen.

Und so werden neben persönlichen Dingen auch die weltan­schaulichen Fragen erörtert. Rolf erkennt fast bei allen Kamera­den eine politische Unsicherheit und perspektivische Wankel­mütigkeit, so daß er seinem Zuhörerkreis einmal die Grundbasis seiner Auffassung zu ihrer Schulung beschreibt. Er weist nach, daß jeder Mensch eine Perspektive in fundamentalen Begriffen haben müßte.

,, Im unendlichen Weltenraum" so erzählt er- ,, schwimmt im Millionengefolge der Sonnensysteme unsere Welt. Ein winziger Punkt im All, bestehen doch außer unserer Sonne mit ihren Trabanten Tausende und Abertausende Sonnensysteme, umspielt wiederum von Millionen oder Trillionen Welten, die im unermeß­lichen Raum ihre Bahn ziehen.

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Auch unsere aus dieser Perspektive gesehene winzige Welt nimmt ihren vorgeschriebenen Lauf nach dem Willen des Allmächtigen, den wir unwissenden Menschen Gott nennen, oder dessen Walten wir Fügung, Schicksal, Bestimmung, Vorsehung oder Kismet heißen. Produkt und höchste Gebilde unseres Pla­neten ist der Mensch. Seine Einwirkung und seine exakte Wissen­schaft und der Flug seiner Geistigkeit ist jedoch begrenzt und an unsere Erde gebunden. Unsere Welt ist somit unser höchster und weitester perspektivischer Standpunkt.

Die Lösung von diesem Anhaltspunkt würde bedeuten, daß die Welt nicht mehr Mittelpunkt unseres Geschehens wäre, son­dern ein verlorener Punkt im All, im Unendlichen. Und ein Denken und Handeln ohne einen geistigen und sittlichen Zentral­punkt würde uns Menschen unerträglich sein. Nur damit können wir denken, formen und schöpferisch sein.

Logik, Sittlichkeit und Menschlichkeit dürfen für uns keine per­spektivische Bedeutung im Sinne des Relativismus haben, sie müssen fundamental feststehen, womit keinesfalls die Lehren Einsteins oder Spenglers angetastet werden sollen, im Gegenteil,

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