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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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Frisches Backwerk wird bereitstehen und jeder Einzelne wird eine kleine, freudige Ueberraschung für den lieben Nächsten haben. Fest der Liebe, des Friedens und der Vergebung- Fest der reichen, deutschen oder christlichen Seele...!

Tausende-nein Millionen Gedanken wandern an diesem Abend aus den Elendstätten der Gefängnisse und Lager heim­treffen und verbinden sich mit denen ihrer Angehörigen und Familien.

Hier wälzen sich die Gefangenen auf ihren harten Lagern in seelischer Qual und Sehnsucht.

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In hunderttausend weiteren Familien wird Trauer und schmerzvolle Besinnung herrschen, weil der Krieg unbarmherzig in dieses traute Leben eingriff, weil vielleicht der Sohn, Vater, Bruder oder Enkel draußen an den menschenmordenden Fronten verblutete oder als Krüppel in einem der Lazarette liegt oder vermißt oder in Kriegsgefangenenschaft ist. Derweil in den Lan­den die Glocken läuten und verkünden: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", donnern an den Fronten die Kanonen, speien Explosivkörper Tod und Vernichtung, zucken Flammenwerfer durch Nacht und Winterfrost-kämpfen Men­schen gegeneinander für vermeintlich gleiche Ziele und Kulturen, im gleichen Glauben, erleiden die gleichen Strapazen, Sehnsüchte und Qualen weil die Verantwortlichen der Nationen irrten- und in babylonischer Verwirrung Haß säten, Fanatismus förder­ten, statt Liebe und Verständigung zu üben. Ein millionenfaches Leid wird den Menschen doppelt stark bewußt in dieser heiligen Nacht da die Glocken ihr Halleluja singen und die Akkorde seelenvoller Weihnachtsweisen verrauschen.

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Am ersten Weihnachtstag findet in der Frühe ein Gemein­schaftsgottesdienst in der Anstaltskirche statt. Auf dem ver­schneiten Gefängnish of steht ein großer Christbaum. Rauhreif ist der einzige, aber wundervolle Schmuck. So rein so festlich erscheint die Welt. Und dann erleben die Häftlinge im Gottes­haus eine kurze Feierstunde. Ein paar Kerzen brennen an einem grünen Baum. Ein subtiler, gefühlloser Pfarrer erledigt recht fahrig sein bezahltes Amt, ohne auch nur etwas Wertvolles, Erbauendes zu vermitteln. Man friert in diesem kalten Raum, friert physisch und psychisch. Einsam vergehen die Stunden und Tage. Nicht eine Liebesgabe, nicht ein Gruß von Daheim, weil man zu bequem war, die Post vom Freitag und Samstag auszu­teilen, die erst kurz vor Neujahr in die Hände der Empfänger

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