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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
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neue Bewegung war. Diese Partei, die nach der Machtübernahme gegen viele ihrer Ziele und Ideale verstieß und ihn dadurch vor- läufig zur Zurückhaltung und Beobachtung zwang.

Und Bergers Blick wird traurig, als er von seinem besten Freunde erzählt, den er in der Auswirkung der. politischen Ver- hetzung deutscher Menschen in den letzten Jahren verloren hat. Einen Menschen, gleichaltrig, jung, hübsch, voll Geist und Tempe- rament, Einen Kerl mit ehrlichem, kompromißlosen Charakter, der gläubig diesen neuen Thesen folgte und spontan und mitgerissen den Rock auszog und mitmarschierte im Braunhemd der national- sozialistischen Kampforganisation, der SA. Der sich dann Tag um Tag, Nacht für Nacht für seine politische Meinung einsetzte, sich den Gefahren politischer Schlägereien und Schießereien aussetzte, ja diese Gefahren in gesteigertem Fanatismus suchte, um den vermeintlichen Forderungen seines Mannestums, seines Stolzes und seines heldischen Geltungsbedürfnisses zu entprechen.

Alle anderen Begriffe stellte dieser blinde Idealist zurück, um sich bis zur Erschöpfung seiner körperlichen und geistigen Kräfte für diese neue Bewegung einzusetzen. Berger sah ihn häufig im Morgengrauen, schweißgebadet oder vom Regen durchnäßt, von nächtlicher Werbe- und Propagandatätigkeit zurückkehren; er verfolgte in monatelanger Beobachtung, wie dieser Einsatz den Freund zermürbte, wie er bleich, mager und elend seinen Tages- dienst aufnahm, um abends als Jugendführer oder SA-Mann immer wieder begeistert und nach seiner Auffassungpflicht- bewußt seinenDienst zu versehen.

Gespräche mit ihm drehten sich bald ausschließlih um die Ziele und Aufgaben seiner Bewegung, alle seine Reden und Unterhaltungen wurden zu Werbungen und Propaganda. Aber die Wartezeit auf den Sieg und Erfolg zog sich für den Freund jahre- lang dahin und nervlich und körperlich heruntergewirtschaftet, wurden die Aussprachen Berger gegenüber spitz und vorwurfs- voll. Er konnte die Zurückhaltung Bergers nicht verstehen, war unduldsam gegen dessen Argumente, die auf viele, bereits damals erkennbare Gegensätzlichkeiten hinwiesen.. Fs kam zu einer Ent- fremdung, ja zu einem Groll, obwohl Berger durchaus die Haltung seines Freundes respektierte und immer wieder alle Auseinander- setzungen in die sachlichste Form brachte.

Der von Hitler geforderte Fanatismus, gesteigert bis zur Hysterie, wuchs auch in dem Freunde, und die gewünschte Unduld- samkeit erreichte im Wesen dieses jungen Menschen ihren Höhe-

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